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Gustav Mahler

Waltraud Meier – A portrait Of The Singer, Das Lied von der Erde

Waltraud Meier, Torsten Kerl, WDR Sinfonieorchester Köln, Semyon Bychkov

medici arts/Naxos 2051888
(158 Min., 1999-2001) 1 DVD

"Sie ist ein ganz natürliches Mädchen", sagt Bassist Hans Sotin zweimal in diesem Porträt über seine Kollegin Waltraud Meier – und er muss es wissen, denn er singt nicht nur mit ihr, sondern er ist auch ihr Voice Coach. Welcher Art diese Natürlichkeit ist, davon bekommt man einen ungefähren Eindruck in diesem Film von Annette Schreier: Man staunt über die (im Fitnessstudio gestählte) Energie dieser Frau, man bewundert die schiere Kraft ihrer ausgesprochen widerstandsfähigen Stimme; im Sprechmodus hat sie oft ein leicht sandiges, raues Timbre, was Aufschluss darüber gibt, unter welcher Belastung dieses Material erst seine volle Pracht und metallene Durchschlagskraft erreicht. Natürlichkeit also im Sinne von direkter, unkomplizierter Zugriffsmöglichkeit auf eine absolut außergewöhnliche Kehle, Natürlichkeit auch im Sinne von hoher Darstellungs- und Reproduktionsbegabtheit, ferner von großer Anpassungsfähigkeit eines unbequemen Lebens in Flugzeugen bzw. aus Koffern, seltener jedenfalls daheim, als es dem Normalbürger wohl lieb wäre.
Die vorhandenen Mittel sind also immens in ihrer Fülle; dass dennoch nicht alles gleich gut gelingt, sagt nicht direkt Frau Meier selbst, aber hört der aufmerksame Hörer in den eingespielten Ausschnitten: Grandios ist sie ohne Zweifel bei Wagner, nicht nur (wie allgemein anerkannt) als Kundry, sondern auch als Sieglinde und vor allem als Ortrud; Amneris muss man vielleicht nicht unbedingt von ihr haben, auch die Ausschnitte aus der Fidelio-Leonore ließen den Rezensenten eher kalt, soweit sie in dieser Kürze überhaupt Aussagekraft besitzen können. Und das Konzertfach? Mahlers "Lied von der Erde" in einer Liveaufnahme aus Köln unter Semyon Bychkov macht den zweiten großen Teil dieses DVD-Porträts aus. In dieser nicht allzu atmosphärischen Darbietung (ist Bychkov wirklich ein Mahler-Dirigent?) brilliert Torsten Kerl bei fulminanter Disponiertheit immerhin durch stimmlich wie sprachlich sehr direkten, prägnanten Zugriff und bruchloses Funktionieren seiner schlank geführten Stimme. Bei Waltraud Meier hingegen möchte man immer wieder konstatieren, dass sie am besten mit breitem Pinselstrich zu malen versteht, was für ihr Kerngeschäft Oper ja auch von großem Vorteil ist; wo es hingegen auf Nuancen und Details im unteren dynamischen Bereich ankommt, klingt ihr Gesang nicht wirklich frei und gelangt nicht zu einer ungezwungenen Verbindung von Wort und Melos. Was soll’s – man muss nicht alles können.

Michael Wersin, 19.03.2009



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