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Ludwig van Beethoven

Klavierkonzerte Nr. 1-5

Murray Perahia, Academy of St Martin in the Fields, Neville Marriner

medici arts/Naxos 3085298
(176 Min., 1988) 2 DVDs

Auf dem Zenit seines Könnens war Murray Perahia, als er 1988 seinen Zyklus der fünf Beethovenklavierkonzerte in der Londoner Royal Festival Hall aufführte. Ohne Eintrübung durch die gesundheitlichen Probleme, die ihn bald darauf plagen sollten, besaß das Klavierspiel des New Yorkers damals noch jugendliche Frische und Poesie, zugleich aber auch die eloquente, unaufdringliche Eleganz, die auch seine Gesamtaufnahme der Mozartkonzerte prägte. Interpretatorische Ausrufezeichen waren allerdings auch damals nicht Perahias Sache: Statt großer Gesten reichen ihm meist Andeutungen, sein Humor ist ein Lächeln, seine Trauer sanfte Melancholie, und statt sich am Orchester zu messen, lädt er zur freundlichen Zwiesprache. Perahias Beethoven ist selbst im Es-Dur-Konzert dezidiert antiheroisch, setzt auf biegsamen, leichten Klang statt auf titanisches Akkordgedonner, was im Kopfsatz für schöne, pastellig eingefärbte Momente sorgt, aber in den etwas steif absolvierten martialischen Passagen an seine Grenzen stößt.
Den frühen Konzerten mit ihrem spielerischen Grundtenor bekommt Perahias mozartscher Konversationsgeist natürlich viel besser – selbst in den Finalsätzen wird der launige Überschwang mit aristokratischer Anmut serviert. Auch das c-Moll-Werk spielt Perahia schlüssig mit introvertierter, poetischer Ernsthaftigkeit, statt das Stück so dramatisch zu überfrachten wie Evgeny Kissin in seiner vor Kurzem vorgelegten Neueinspielung. Zu dieser intimen Beethoven-Sicht passt ein schlanktöniges, agiles Kammerorchester wie die Academy of St. Martin in the Fields eigentlich sehr gut. Schade, dass Neville Marriner seine Musiker nur zu gediegener Begleitungsroutine animiert. Da wäre mehr möglich gewesen.

Jörg Königsdorf, 19.03.2009



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