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Reynaldo Hahn, Gabriel Fauré, Ernest Chausson, André Caplet u.a.

Opium – Mélodies françaises

Philippe Jaroussky, Jérôme Ducros, Renaud Capuçon, Gautier Capuçon, Emmanuel Pahud

Virgin Classics/EMI 216 621-2
(66 Min., 7/2008) 1 CD

In der Popbranche ist es von jeher üblich, Alben in ihre Einzelteile zu zerlegen, um größtmöglichen Gewinn zu machen. Doch meistens haben es gerade mal ein, zwei Songs verdient, als Single ausgekoppelt zu werden. Im Fall von Philippe Jarousskys CD mit dem wahrlich nicht zu hoch gegriffenen Titel "Opium" käme man dagegen in gehörige Entscheidungsnot, weil nahezu jedes der zwei Dutzend Chansons Ohrwurmpotenzial besitzt. Gleich die neobarocke Ode "A Chloris" vom Proustfreund Reynaldo Hahn, mit der Jaroussky sein Album eröffnet, atmet einen einzigen, sehnsuchtsvollen Zauber. Und von dem duftenden wie herrlich dahinfließenden Lied "Nell" von Gabriel Fauré kommt man genauso wenig los wie vom arkadisch-zarten Flair in André Caplets "Viens, une flûte invisible soupire", für das sich Jaroussky musikalisch an den Flötisten Emmanuel Pahud geschmiegt hat.
So sehr der Sänger hier wie in den Liedern und Chansons etwa von Paul Dukas, Jules Massenet und César Franck jede Farbnuance mit seinem apollinischen Countertenor veredelt, so sehr überrascht es auch, mit welcher Selbstverständlichkeit er vom Barockfach jetzt in die französische Spätromantik und die Belle Époque gewechselt ist. Nicht eine Sekunde lang hat man den Eindruck, dass dieser Wunderknabe sich vielleicht in monatelanger Klausur auf dieses Rezital vorbereitet haben könnte. Seine stimmliche Süße, seine vollkommen melodische Entfaltung und tadellose Legatobindung, die sprachliche und artikulatorische Subtilität sowie die emotionale Unmittelbarkeit – mit diesem scheinbar naturgegebenen Rüstzeug belebt er aus dem Stand eine ferne Welt, in der sich die Musik dem Sentiment begeistert hingab. Und da Jaroussky dabei mit dem Pianisten Jérôme Ducros sowie den drei Gästen Renaud und Gautier Capuçon und Emmanuel Pahud kongeniale Partnerschaften einging, nimmt man bei dieser Extradosis "Opium" gerne alle Nebenwirkungen in Kauf.

Guido Fischer, 30.03.2009



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