Mieczysław Karłowicz

Sinfonische Dichtungen Vol. 1

Antoni Wit, Warschauer Philharmoniker

Naxos 8.57 0452
(71 Min., 7/2006) 1 CD

 

Mieczysław Karłowicz

Sinfonische Dichtungen Vol. 2

Antoni Wit, New Zealand Symphony Orchestra

Naxos 8.57 0295
(63 Min., 11/2006) 1 CD

 

Polen boomt. Nicht nur Nigel Kennedys Entdeckungsreisen, auch Antoni Wit erwirbt sich derzeit große Verdienste um vergessene Komponisten seiner Heimat. Wobei Mieczysław Karłowicz, das Objekt seiner Spurensuche, zwar der neben Szymanowski bedeutendste polnische Komponist der vorletzten Jahrhundertwende genannt werden kann, jedoch – politically correct wie wir sind – eigentlich Litauer ist. Seine ersten sechs Lebensjahre verbrachte der 1876 Geborene im heute litauischen Wiszniewo, 1882 übersiedelten seine wohlhabenden Eltern zunächst nach Heidelberg, Prag und Dresden, um schließlich in Warschau sesshaft zu werden. Der junge Karłowicz studierte zunächst Violine in Dresden, dann, in Warschau und ab 1895 in Berlin bei Heinrich Urban, Komposition. Dass ihn die Nachwelt hierzulande kaum kennen lernte, lag tragischerweise (auch) an seiner zweiten Leidenschaft, dem Skifahren und Bergsteigen, die dem kaum 33-Jährigen 1909 bei einem Lawinenunglück in der Hohen Tatra zum Verhängnis wurde.
Vor allem auf dem Sektor der sinfonischen Dichtung darf Karłowicz getrost als einer der Großen des Fachs gelten. Das unterstreichen jedenfalls die Wit'schen Einspielungen sämtlicher Gattungsbeiträge, die, makellos und mit viel Feuereifer von den Warschauer Philharmonikern, mit etwas weniger Akribie, gleichwohl mit ebenso viel Engagement von ihren Kollegen aus Wellington/Neuseeland dargeboten, einmal mehr dem hiesigen (Kritiker-)Ohr erfreulich (und auch beschämend!) klarmachen, was es alles an Perlen fernab des Gewohnten noch zu entdecken gilt. Zwar hört man – eine weitere Ungerechtigkeit, die einem Ungehörten fast notgedrungen ständig widerfährt: der Vergleich mit dem Bekannten – in seinem in Polen erfolgreichsten Oeuvre, der Dichtung op. 12 über die inzestuös-geschwisterliche Liebe von "Stanislaw und Anna von Oswiecim" von 1907, ebenso wie im dreisätzigen Opus "Uralte Lieder" einigen Strauss inklusive "Zarathustra" mitklingen, während es in der etwas zerfahren konzipierten, fast halbstündigen "Episode auf dem Maskenball" op. 14 noch ziemlich wagnert; doch das tut den durchaus originellen Entdeckerfreuden, zumal denen solch souverän eingesetzter Bläserfarben und einprägsamster Naturschilderungen ("Litauische Rhapsodie" op. 11), keinen Abbruch. Auch die Tatsache, dass Karłowicz des Öfteren seine Werke depressiv oder mystisch-verklärt ausklingen lässt – eine unerwiderte Liebe begleitete sein kurzes Leben –, sollte die längst überfällige Wiederentdeckung nicht verhindern.

Christoph Braun, 03.04.2009




Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Werk und Biografie: Immer wieder führt dieses Spannungsfeld zu Einsichten in Komponistenleben, die Rätsel aufgeben oder einen zumindest staunen machen. Nikolai Mjaskowski zum Beispiel kam aus einer russischen Offiziersfamilie, ging auf die Kadettenschule, später auf die Petersburger Akademie für militärisches Ingenieurwesen und wurde anschließend, wie sein Vater, Offizier. Daneben aber komponierte er, und dieses Oeuvre hat mit Drill und militärischer Strenge so gar nichts zu tun. […] mehr »


Top