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Sounding Point

Julian Lage

Emarcy/Universal 1791447
(56 Min., 5 u. 6/2008) 1 CD

Es kann kein Zufall sein, dass diese Aufnahme mit einem Stück beginnt, dass Julian Lage ursprünglich für das "Generations"-Quintett von Gary Burton geschrieben hat. Kenner werden da nämlich hellhörig – schließlich hat der Vibrafonist ein feines Gespür für kommende Meistergitarristen. Und mit seinem Debüt beweist Lage, dass er durchaus das Zeug dazu hat, in die Fußstapfen der Burton-Entdeckungen Pat Metheny, Larry Coryell, John Scofield und Kurt Rosenwinkel zu treten. Das Verrückte ist ja, dass man den gerade mal 21 Jahre jungen Gitarristen als Spätstarter bezeichnen muss. Angebote für Plattenaufnahmen hatte das Wunderkind, das schon mit acht Jahren an der Seite von Santana auftrat und Gegenstand eines für den Oscar nominierten Dokumentarfilms war, schon mehr als genug. Aber Lage ließ sich, wie man auf "Sounding Point" gut hören kann, die nötige Zeit.
Obwohl der junge Gitarrist mit der Vorliebe für den akustischen, naturbelassenen Sound seines Instruments zweifelsohne Metheny, Django Reinhardt und Paco de Lucia in den Fingern hat, verzichtet er auf den Einsatz virtuos blendender Pyrotechnik und zeigt sich vielmehr als neugieriger Grenzüberschreiter in verschiedenen Formaten. Mal liefert er sich mit dem Banjo-Unikum Béla Fleck und dem Mandolinenspieler Chris Thile freundliche Balgereien, mal malt er mit seinem Quintett, aus dem der Cellist Aristides Rivas hervorsticht, kammermusikalische Seelenlandschaften, mal betont er im Duett mit seinem Pianistenfreund Taylor Eigsti lustvoll die Blueskomponente in Miles Davis’ "All Blues". Keine Frage: Nach diesem hoffnungsvollen Debüt darf man gespannt Lages nächste Schritte erwarten.

Josef Engels, 17.04.2009



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