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Toscanini: In His Own Words


medici arts/Naxos 3077928
(70 Min., 2008) 1 DVD

Wie verhält man sich gegenüber einer Legende? Man hängt natürlich an ihren Lippen und kichert selbst dann, wenn so manche Anekdote nicht wirklich zünden will. So einen Kreis an kriecherischen Verehrern hätte Arturo Toscanini im wirklichen Leben vielleicht hochkant an die frische Luft gesetzt. In der Filmdokumentation "Toscanini: In His Own Words" aber bleibt er bzw. sein Schauspielerdouble eher handzahm. An einem Silvesterabend, den Regisseur Larry Weinstein zu einer imaginären Plauderrunde im New Yorker Wohnzimmer Toscaninis arrangiert hat, zeigt sich der hochbetagte Jahrhundert-Zuchtmeister vorrangig altersmilde. Da sitzt Darsteller Barry Jackson, bei dem die Maskenbildner ganze Arbeit geleistet haben, in seinem Sessel und erzählt seinen neugierigen und hysterischen Verwandten und Freunden erstmals aus seinem Leben. Von seiner Ehe, von der Begegnung mit Verdi und von der Gründung seines NBC Symphony Orchestras. Und wenn er sich zwischendurch abfällig über Maria Callas äußert ("Man versteht kein Wort, wenn sie singt."), kommt immerhin auch mal der Brummbär Toscanini zum Vorschein.
Grundstock für dieses gespielte Interviewporträt bildeten Gespräche, die der Toscaninisohn Walter mit seinem Vater kurz vor dessen Tod geführt hatte. Auf 150 Stunden sollen sich die Mitschnitte belaufen. Angesichts der jetzt getroffenen Auswahl, die Larry Weinstein mit dem Toscaninibiografen Harvey Sachs für das Drehbuch besorgte, muss man aber vermuten, dass der unberücksichtigte Rest größtenteils wohl noch belangloser ist. Wenigstens die eingestreuten, originalen Filmaufnahmen bringen einem den künstlerischen Dampfkessel und scheinbar sanften Familienmenschen näher. Und zumindest ein gewichtiges Wort von Arturo Toscanini können sich fortan die Kollegen hinter die Ohren schreiben: "Dirigenten sollten spüren, wenn sie andere langweilen."

Guido Fischer, 17.04.2009



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