Was für eine verzwickte Story: Zu Hause hießen die Brüder noch Osmino und Tirsi. Kaum wurden sie aber vom Piraten Oralto gekidnappt und auf die Insel Naxos verschleppt, hört der eine jetzt auf "Morasto" und Tirsi plötzlich auf "Osmino". Und weil die ebenfalls verschleppte Schäferin Licori nicht mehr daran glaubt, ihren Angebeteten Osmino alias Morasto wiederzufinden, findet sie erst Gefallen am falschen Osmino und noch mehr an dem unbekannten Morasto. Nach all dem Hin und Her platzt zum Schluss glücklicherweise der Handlungsknoten, finden die zusammen, die zusammengehören. Da schnauft selbst die Göttin und betrogene Jupitergattin Juno erst einmal zufrieden durch. Auf ihr Konto geht schließlich dieses Verwirrspiel, um Liebe und Treue auf die Probe zu stellen. Schon zu Beginn des 17. Jahrhunderts hatte sich der Dramatiker Francesco Scipione Maffei dieser barocken Version von "Così fan tutte" angenommen. 1732 wurde daraus schließlich jener Opernstoff "La fida ninfa", mit dem Antonio Vivaldi anlässlich der Neueröffnung des Theaters in Verona einen veritablen Erfolg einfuhr.
Schon auf der Bühne muss man ein Händchen haben, um die Verwicklungen und Verdoppelungen verständlich zu machen. Im Aufnahmestudio ist das umso schwerer. Das dreisprachige (leider nicht deutsche) Booklet der Einspielung von "La fida ninfa" ist da eine lohnenswerte Stütze. Wem aber dennoch weiterhin der Kopf schwirrt, der kommt zumindest musikalisch voll auf seine Kosten. Denn Vivaldi hat hier eine farbenprächtige, mit allerlei virtuosen Auslaufzonen gespickte Partitur komponiert, die Dirigent Jean-Christophe Spinosi mit dem Ensemble Matheus bis zum hymnischen Finale kultiviert moussieren lässt. Und auch die Stimmengenießer werden durchweg verwöhnt. In den Hauptrollen Licori und Morasto sind es die Soprane Sandrine Piau und Verónica Cangemi, die Vivaldis beachtliche Anforderungen stilsicher bewältigen und mit suggestiver Lebendigkeit füllen. Und wenn selbst Countertenor Philippe Jaroussky in die gerade mal mit zwei Soloarien bedachte Nebenrolle des Osmino schlüpft, spricht das für eine Gesamtleistung ohne einen einzigen Makel.

Guido Fischer, 17.04.2009



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top