Responsive image

Glory & Decay

Shoot The Moon

Jazzwerkstatt JW 053
(72 Min., 3/2008) 1 CD

Als Teenager, schreibt Almut Schlichting im Booklet von "Glory & Decay", nahm sie Mixtapes auf, die aus willkürlichen Radiomitschnitten bestanden: "18 Takte eines Strausswalzers, einen halben Wetterbericht, den Refrain eines Achtzigerjahre-Popsongs, bulgarische Volksmusik, ein Dixieland-Solo." Das Mädchen legte damit die Grundlage für die Arbeit der erwachsenen Saxofonistin und Komponistin, die mit dem Sextett Shoot The Moon eines der im wahrsten Sinne des Wortes zauberhaftesten Jazzensembles der Republik gegründet hat.
"Glory & Decay", die zweite Einspielung der Gruppe, beginnt mit einem poppigen Song, in dem Sängerin Winnie Brückner einem Cowboy Lebensweisheiten à la Joni Mitchell mit auf den Weg gibt. Unvermittelt setzen drei Bläser ein, und was Trompete (Sabine Ercklentz), Bassklarinette (Tobias Dettbarn) und Altsax (Schlichting) da spielen, klingt wie eine seltsame Mischung aus Calypso und Ländler aus dem Voralpengebiet. So geht es munter weiter. In "The Aquamarine Queen" trifft karnevaleskes Bassdrum-Gepauke auf Miles Davis und den Broadway, "The Fly and the King" besteht aus Weill-Passagen und mehrsprachig vorgelesenen Lexikoneinträgen, "Wonderland" wiederum hätte große Chancen, als apokryphes Abba-Stück durchzugehen. Das mag jetzt etwas wirr klingen. Aber Shoot The Moon gelingt es auf erstaunliche Weise, Musiktheaterdramatik, schrägen Kabarettjazz und märchenhafte Texte so organisch zu verbinden, dass man gespannt dabeibleibt. Ein Hoch auf das Radio!

Josef Engels, 24.04.2009



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Bloß kein BreX-mas: Da haben die Chefunterhändler ganze Arbeit geleistet, damit Theresa May und Jean-Claude Juncker endlich den Durchbruch bei den Brexit-Verhandlungen verkünden konnten. Doch grüne Grenzen und Binnenmarkt-Bestrebungen in Ehren – wie hoch wäre eigentlich der kulturelle Verlust Europas durch den Ausstieg der Briten zu beziffern? Wir meinen, gerade was Advent und Weihnachtszeit angeht ist der Beitrag des Vereinigten Königreichs kaum hoch genug zu schätzen, da die […] mehr »


Top