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Hector Berlioz

Symphonie fantastique op. 14

Orchester der RAI Turin, Sergiu Celibidache

Opus Arte/Naxos OA 0977 D
(58 Min., 12/1968) 1 DVD

Um selbst an die verstecktesten Motive heranzukommen, trat Sergiu Celibidache in seinen reifen Jahren und vor allem in seiner Münchener Ära schon mal gehörig auf die Bremse. Was den Prozess der radikalen Neubegegnung selbst mit den bekanntesten Werken bisweilen zu einem lähmenden Erlebnis machte. Vom Himmel gefallen war dieser unbedingte Wille, der Partitur in ihrer architektonischen Anlage und bis in die mikrokosmischen Nuancen hinein zu dienen, aber nicht. Besonders in dem historischen Livemitschnitt von einem Konzert, das Celibidache 1969 in Turin dirigierte, steckt eine Sorgfalt, die weniger buchhalterisch als vielmehr erhellend ist. Wenn einer der „Symphonie fantastique“ von Berlioz den dramatischen Puls genau gefühlt und dabei die drastische Suggestivität mit den Händen gepackt hat, ohne sich dabei mit rein konventioneller Virtuosität vergreifen zu müssen, dann war es in dieser Stunde der charismatische Mann mit der Silbermähne.
In der DVD-Aufnahme im nostalgischen Schwarz-Weiß kommt so auch die gesamte Farbpalette des Instrumentationspioniers Berlioz heraus, steuert alles in diesem fünfaktigen Drama auf ein herausgemeißeltes wie unmittelbar anspringendes "Songe d'une nuit du sabbat"-Finale zu. In seiner regelrecht stoischen Präsenz sorgt Celibidache natürlich ganz ohne Noten für spannungsgeladene Fulminanz, rollt er die bizarre Fantastik nicht mechanistisch präzise ab, sondern sie ist ein einziges Zucken und Beben. Das örtliche Orchestra Sinfonica di Torino della RAI erwies sich hierbei als ein in allen Orchestergruppen bestens aufgestellter Klangkörper. Was nicht verwundert. Denn dort, wo das Arbeitstier Celibidache ausreichend Probenzeit zur Verfügung hatte, konnte er oftmals wahre Wundertaten vollbringen.

Guido Fischer, 01.12.1999



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