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Johannes Brahms

Ein Deutsches Requiem op. 45


Arthaus/Naxos 101047
(79 Min., 4/1997) 1 DVD, Region Code 0, DVD 5, Format 16:9

Das Deutsche Requiem von Johannes Brahms mit dem Schwedischen Rundfunkchor, dem Eric-Ericson-Kammerchor und den Berliner Philharmonikern unter Leitung von Claudio Abbado war bereits 1992 ein Erfolg gewesen - der bei der Deutschen Grammophon veröffentlichte Live-Mitschnitt aus der Berliner Philharmonie zählt zu den besten Einspielungen des Werkes. Im Brahmsjahr 1997 wurde das Projekt im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins wiederholt, mit anderen Solisten allerdings: 1992 hatten Cheryl Studer und Andreas Schmidt, damals beide noch hervorragend disponiert, die beiden Solopartien bestritten, 1997 waren es der stimmgewaltige Bryn Terfel und die engelsgleich timbrierte Barbara Bonney. Letztere meistert ihren schwierigen, von Brahms übrigens erst nach der Uraufführung eingefügten Solosatz “Ihr habt nun Traurigkeit” mit großer Ruhe, die melodischen Wendungen auf der Basis überlegener Technik ebenso einfühlsam wie souverän ausgestaltend. Bryn Terfel agiert sprachlich so nuanciert, dass man seine in einem Interview aufgestellte Behauptung, er könne überhaupt kein Deutsch und lerne deutsche Text nur nach Lautsprache, wohl auf das Konto Koketterie verbuchen oder als Scherz betrachten muss.
Auf chorischer Ebene kann man sich kaum bessere Sänger als die skandinavischen Choristen vorstellen: Anders als in deutschen Rundfunkchören müssen die Mitglieder des schwedischen Rundfunkchores sich regelmäßigen Überprüfungen ihrer stimmlichen Mittel unterziehen und kehren nach einigen Jahren in der Regel wieder in ihre vor der Chorzeit ausgeübten Berufe zurück - eine Praxis, die das Niveau des Ensembles naturgemäß hebt und typische sängerische Verschleißerscheinungen, die zu klanglichen Schärfen oder Tremolo-bedingten Trübungen führen, ausschließen hilft.
Der Anteil Claudio Abbados am guten Endergebnis bleibt ein wenig fragwürdig: Wie er geprobt hat, kann man nicht wissen, aber beim Dirigieren (soweit dies zu beobachten ist) verzichtet er häufig auch an heiklen Stellen auf exakten Schlag und widmet sich mit ebenso schwelgerischer wie vager Zeichengebung stattdessen ganz dem Ausdruck. Hin und wieder schlägt sich dies in unpräzisen Einsätzen nieder, und man fragt sich, warum ein Spitzendirigent solche ärgerlichen Patzer nicht im Griff hat.

Michael Wersin, 28.08.2004



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