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Alfred Schnittke, Alexander Raskatov

Sinfonie Nr. 9, Nunc dimittis

Elena Vassilieva, The Hilliard Ensemble, Dresdner Philharmonie, Dennis Russell Davies

ECM/Universal 476 6994
(53 Min., 1/2008) 1 CD

Und wieder eine Neunte als sinfonischer Schwanengesang. Bis zum Tod 1998 hatte Alfred Schnittke an der dreisätzigen Partitur gearbeitet. Da der schwerkranke Russe jedoch nur ein schwer dechiffrierbares Manuskript hinterließ, musste ein Profi ran, um es spielbar zu machen. Schnittkes Landsmann Alexander Raskatov übernahm nicht nur diese Herkulesarbeit, sondern komponierte gleich noch mit dem Vokalwerk "Nunc dimittis" ein Epitaph. Bei aller Nähe zu Schnittkes oftmals religiös aufgeladener Synthese aus Tradition und gemäßigter Moderne verharrt Raskatov aber nicht in epigonenhafter Ehrfurcht. Komponiert auf Texte von Joseph Brodsky und des Heiligen Starez Siluan, kennzeichnet das Werk für Mezzosopran, Vokalquartett und Orchester eine von der russischen Volksmusik imprägnierte Lamento-Finsternis. Wobei die Eindringlichkeit noch durch minimalistische Rhythmusgrundierungen und stramm emporgeschossene Bläserstelen potenziert wird.
Mit einem satten, verhangenen Mahler-Melos in den Streichern beginnt dagegen Schnittkes neunte Sinfonie, die in der Weltersteinspielung von Dennis Russell Davies und der Dresdner Philharmonie bis in alle dynamischen Feinheiten kostbar und klangschön realisiert wird. Von dem offensiv-bunten Eklektizismus, den Schnittke gerne mal ganz ohne Scheu in seine Musiksprache einspeiste, sind die drei Sätze glücklicherweise verschont geblieben. Stattdessen herrscht in diesem zumeist mäandernden Klangstrom eine Tiefenemotionalität, die sich von Ferne auf Schostakowitsch und unmittelbar in den (Flöten-)Effekten auf Charles Ives bezieht. Als letzter sinfonischer Abdruck von Alfred Schnittke mag dieses Werk zwar von musikhistorischem Rang sein. Eine Neupositionierung der Gattung "Sinfonie" leistet sie hingegen nicht.

Guido Fischer, 02.05.2009



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