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Franz Schubert

Sonate op. 78, Impromptus op. 142

Andreas Staier

harmonia mundi HMC 902021
(70 Min., 7 u. 8/2008) 1 CD

Andreas Staiers Mitte der Neunzigerjahre erschienene Schubertaufnahmen besitzen nach wie vor Referenzcharakter: An Werken wie der c-Moll-Sonate fand Staier damals zu einem natürlichen Gleichgewichtspfad zwischen unforciertem Liederton und einem die Extreme nicht scheuenden Ausdruckswillen, zwischen langem Atem und spielerischer Ungezwungenheit im Detail. Die gleichen Qualitäten prägen auch Staiers Aufnahme der "Fantasie-Sonate" und der zweiten Serie der Impromptus, mit der er jetzt seine Schubertexkursion fortsetzt. Kompass für den richtigen Kurs ist nach wie vor der Klang seines Hammerflügels, der mit seinen unterschiedlichen Registerfarben (und seiner Tondauer) den Ausdruck und sogar das Tempo viel stärker zu bestimmen scheint, als es bei einer Interpretation auf einem modernen Konzertflügel der Fall ist.
Das Fantasie-Moment ist so in jedem Augenblick der G-Dur-Sonate gegenwärtig: Im Kopfsatz etwa entwickelt Staier es nicht aus einer dramatischen Gedrängtheit, sondern lässt die Entwicklung aus einer inneren Ruhe heraus entstehen, die dennoch die Notwendigkeit einer weiteren Entwicklung spürbar werden lässt. In den Wiederholungen des Finales erklingen die Nebenstimmen als fast improvisatorische Umspielungen des Themas – eine pastorale Fantasie, die immer wieder von den Schlagschatten markanter Basstöne durchschnitten wird. Auch die zweite Impromptu-Serie atmet eine ungezwungene Frische, die aber nie oberflächlich wird. Das oft beschaulich dahindümpelnde As-Dur-Stück etwa nimmt Staier vergleichsweise forsch und verleiht der Melodie eine rhetorische Pointierung. Hoffentlich dauert es nicht wieder zwölf Jahre bis zur nächsten Folge.

Jörg Königsdorf, 02.05.2009



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