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Johann Sebastian Bach

Inventionen und Sinfonien, Französische Suite Nr. 5

Till Fellner

ECM/Universal 476 6355
(68 Min., 7/2007) 1 CD

Obwohl Bach das Konvolut aus zwei- und dreistimmigen Miniaturen zur spielerischen Unterweisung seines Juniors Wilhelm Friedemann komponiert hat, unterschritt er auch hier natürlich nicht Niveau und Anspruch. Im Gegenteil. Was er oftmals in gerade mal einer Minute Spielzeit an kontrapunktischem Gewebe und klanglicher Anmut ausgelegt hat, ist nichts für Kinderhände und pubertäre Geister. Und so muss man sich auf die jeweils 15 Inventionen und Sinfonien ähnlich konzentriert und entschieden einlassen, als würde man das "Wohltemperierte Klavier" vor sich liegen haben. Ganz scheint der österreichische Pianist Till Fellner an das Gewicht des vom Umfang etwas bescheideneren Zyklus aber vielleicht doch nicht geglaubt zu haben. Etwas willkürlich ausgewählt, musste die angehängte Französische Suite Nr. 5 daher wohl nicht nur als Lockerungsübung herhalten, sondern auch als mutmaßlicher Beleg für das wahre Kunstwerk.
Vom Programm her erscheint dieser Zusatz zwar eher unplausibel. Dafür kann immerhin Till Fellner mit seiner Balance aus Strukturzeichnung und Emotionalität jenen Weg bestätigen, den er mit den Inventionen und Sinfonien beschritten hat. Alles, was an gelehriger Rhetorik in den Stücken auch gefährlich schlummern mag – Fellner begegnet ihm mit einer gesangvoll beseelten Art im Sinne einer Betrachtung sub specie aeternitatis. In herrlichstem tonlichen Ebenmaß verbinden sich Seriosität mit Vollkommenheit im Melodischen, braucht Fellner nicht nach Ausdruck zu suchen, da er nach des Pianisten Verständnis bereits in den autonomen, polyfonen Klangwelten allgegenwärtig ist. Dass Fellner im zeitlos Unantastbaren dennoch seine Modernität herausstellt, macht diese Bachaufnahme umso verblüffender.

Guido Fischer, 07.05.2009



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