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Zeichen der Zeit

Frederik Köster Quartett

Traumton/Indigo 921462
(69 Min., 2/2008)

Haben die sozialen Unruhen, vor denen immer öfter gewarnt wird, jetzt Besitz vom deutschen Jazz ergriffen? Wenn eine CD "Zeichen der Zeit" heißt und wie ein Punk-Song – mit dem zornigen Anzählen einer Männerstimme – anfängt, könnte man schon mal auf den Gedanken kommen. Das erstaunliche Quartett um den Kölner Trompeter Frederik Köster kann zwar dank seines wandelbaren Gitarristen Tobias Hoffmann in der Tat famos Krach schlagen – aber darauf legt es die Gruppe in erster Linie gar nicht an. Die "Zeichen der Zeit", von denen die Band hier Zeugnis ablegt, muss man wohl so deuten, dass der Gegenwartsjazz alles (oder zumindest vieles) darf: Wie Alternativ-Rock klingen oder nach Kammermusik, in elektronischen Wurmlöchern verloren gehen und in Klanggewittern wiederauferstehen, traute Ballade sein oder nervöses Volkslied.
Frederik Kösters Spezialität ist es, das alles nicht auf verschiedene Kompositionen zu verteilen, sondern angenehm unartifiziell in einem Stück unterbringen zu können. Seine Musik für Trompete, E-Gitarre, Kontrabass und Schlagzeug bringt die vergangenen zehn, fünfzehn Jahre in der improvisierten Musik eigenständig auf den Punkt: vom Grunge- über den Ambient- bis hin zum Songwriter-Jazz. Eine nicht kleine Leistung, die Köster und den Seinen unlängst mit dem "Neuen Deutschen Jazzpreis" die hierzulande höchstdotierte Auszeichnung für professionelle Jazzbands einbrachte.

Josef Engels, 11.05.2009



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