Bei der Wiedereröffnung des Münchner Cuvilliés-Theaters im Sommer 2008 erwies sich die Akustik des Barockjuwels problematischer als erwartet: Bei Mozarts "Idomeneo" zeigte sich, dass ein konventionelles Sinfonieorchester im historischen Raum schlichtweg zu viel Lärm macht. Bei der DVD, die das Ereignis jetzt dokumentiert, stellt sich das Problem dank umsichtiger Postierung der Mikrofone nicht. Niemals deckt das Bayerische Staatsorchester unter Kent Nagano die Sänger zu und Naganos straffer, klassischer Mozartton passt sogar sehr gut zu Dieter Dorns aufgeräumtem, ganz auf die Empfindungen der Hauptdarsteller zugeschnittenen Regiekonzept.
Ohne ideologischen Überbau und spektakuläre Effekte präsentiert Dorn den (klug auf knapp drei Stunden gekürzten) "Idomeneo" als schlichtes, antikisierendes Drama – ein intimer Ansatz, der durch Brian Larges sehr nah bei den Figuren bleibende Bildregie noch zusätzlich betont wird. Das funktioniert, weil ein Quartett von Sängerdarstellern auf der Bühne steht, denen man ihre Seelenregungen auch glaubt und die noch dazu vokal ausgezeichnet kontrastieren: John Mark Ainsleys reflektierter, hadernder Kreterkönig sticht gut gegen den jugendlich standfesten Strahlemann-Tenor seines Sohnes Idamante (Pavol Breslik) ab, und Juliane Banses liebe, leidenswillige Ilia ist das perfekte optische wie gesangliche Gegenbild zu Annette Daschs fleischig timbrierter, impulsiver Elettra. Ein Ensemble, das stimmig das Ideal eines modernen, eher auf die psychologischen Konflikte der Figuren zielenden Mozartgesangs verwirklicht. Kann man ein Theater besser eröffnen?

Jörg Königsdorf, 15.05.2009



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