Responsive image
Mikołaj Zieleński

Offertoria et Communiones Totius Anni (1611)

Capella Cracoviensis, Emma Kirkby, Stanisław Gałoński

Dux/Musikwelt DUX 0681
(54 Min., 8/2008) 1 CD

Wenig ist bekannt aus dem Leben des Mikołaj Zieleński (ca. 1560- ca. 1620): Er befand sich als Organist und Kapellmeister in Diensten des Bischofs Wojciech Baranowski, der sich an den verschiedenen Orten seines episkopalen Wirkens eine Hofkapelle hielt. Zieleńskis Sammlung "Offertoria et Communiones Totius Anni" erschien im Jahre 1611 in Venedig; womöglich hatte Zieleński einst in Italien studiert, aber die Sammlung von Propriumsstücken zur Messliturgie wurde viel zu spät verlegt, um die obligatorische Meisterstück-Veröffentlichung des Italienstudenten sein zu können.
Was aus den Lautersprecherboxen dringt, ist teils vokalpolyfone, teils mehrchörig-konzertante geistliche Musik der für jene Übergangszeit typischen Art; hinzukommen einige Werke, die durch Verzierung (Diminution) einer Einzelstimme monodisch aufbereitet wurden. Die Machart der Kompositionen ist, auch wenn das Beiheft freilich einen anderen Eindruck vermitteln möchte, keineswegs außergewöhnlich, wenngleich souverän und solide. Dem Hörer wird zudem beträchtliches Abstraktionsvermögen abverlangt, weil die Capella Cracoviensis leider über weite Strecken sehr unsauber und im akustischen Gesamtbild entsprechend trübe agiert: Sie hat in puncto Intonation allenfalls das Niveau eines mittelmäßigen Laienchores. Wie kommt nun Emma Kirkby auf diese CD? Vielleicht hat der Name "Capella Cracoviensis" auch sie zunächst gelockt. Kirkby zeichnet verantwortlich für die stark verzierten Monodien; sie ist hier nach langer Zeit einmal wieder mit ähnlich schnellen und halsbrecherischen Verzierungen zu hören wie einst auf "Una Stravaganza dei Medici" (lang vergriffen), was den Hörer erfreut – so sehr, wie ihn die nicht zu überhörende Altersmüdigkeit ihrer Stimme gleichzeitig ein wenig traurig macht.

Michael Wersin, 15.05.2009



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Wer hätte gedacht, dass Richard Strauss auch so schlank und kurzweilig komponieren konnte! Für alle, die bisher Strauss vor allem über den opulenten „Rosenkavalier“ oder seine klangprächtigen Tondichtungen wie „Till Eulenspiegel“ und „Don Quixote“ kennen gelernt haben, ist vielleicht die Bühnenmusik zu „Der Bürger als Edelmann“ eine wohltuend erfrischende Erfahrung. Das Projekt entstand aus dem absurden Plan heraus (ausgeheckt von Strauss und seinem Lieblings-Librettisten […] mehr »


Top