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Aurora

Avishai Cohen

Blue Note/EMI 6949170
(53 Min., 12/2008) 1 CD

Der Bassist Avishai Cohen ist immer mal für eine Überraschung gut. Da hat er im vergangenen Jahr mit "Gently Disturbed" eine der bemerkenswertesten Pianotrioaufnahmen seit Langem hingelegt – und was kommt jetzt? Ein Vokalalbum. Aber keine Sorge: Nur weil der Israeli jetzt bei Blue Note unter Vertrag ist, bedeutet es nicht, dass er zur männlichen Norah Jones geworden ist. Bei "Aurora" handelt es sich vielmehr um ein Weltmusikalbum besonderer Güte, das von Cohens warmer, schwermütiger Stimme auf der Suche nach den sephardischen Wurzeln seiner Mutter geprägt ist. Dabei begibt sich der singende Bassist in ähnliche Gefilde wie Kollege Renaud Garcia-Fons. Während der allerdings die Verbindung von spanischer und orientalischer Folklore für hochvirtuose Kunststücke nutzt, bleibt Cohen erdverbunden. Was dazu führt, dass ein Stück wie etwa "Alfonsina y el mar", bei dem sich Cohen selbst auf dem Kontrabass begleitet, in seiner Simplizität und Geradlinigkeit absolut zu Herzen gehend ist.
Fans der vorhergehenden Aufnahmen des 38-Jährigen werden sich sicherlich erst an diesen neuen Cohen gewöhnen müssen, vor allem an die folkigen zweistimmigen Gesänge mit Karen Malka. Aber auch wenn einiges anders ist – dazu gehört auch der Einsatz der arabischen Oud-Laute bei drei Stücken sowie der Verzicht auf einen Schlagzeuger zugunsten eines Perkussionisten – der alte Cohen mit seinem Sinn für schwebende komplexe Rhythmen schimmert in Nummern wie "Leolam" oder "Alon Basela" immer wieder durch. Dass sich auf der CD mit "It’s Been So Long" zudem noch eine E-Bass-Ballade im Geiste der Red Hot Chili Peppers befindet, spricht dafür, dass Avishai Cohens Ethnovokaljazz kaum Grenzen gesetzt sind.

Josef Engels, 22.05.2009



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