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Daji Tulaji

Jarry Singla

AO Jazz/NRW 3072
(58 Min.) 1 CD

Der deutsch-indische Pianist Jarry Singla liebt es, in seinen Kompositionen europäischen Kammerjazz auf außereuropäische Klangkulturen treffen zu lassen. Aber noch mehr mag er es offensichtlich, den Hörer augenzwinkernd an der Nase herumzuführen. Singlas neue CD "Daji Tulaji", so vorbildlich und vielleicht auch ein bisschen kühl sie zwischen verschiedenen Spielarten des zeitgenössischen Jazz' vermitteln mag, ist nämlich voller falscher Fährten. Singla lebte in den vergangenen zwölf Jahren in Mexiko City und Köln, interessiert sich für die modale Harmonik Nordindiens und hat auch schon einmal japanische Gagaku-Musik bearbeitet. Natürlich, denkt man da, muss der CD-Titel "Daji Tulaji" vor diesem Hintergrund auch etwas geheimnisvoll Exotisches bedeuten. Von wegen: Der Name ist ein Fantasiebegriff. Und das dazugehörige Stück soll einem keineswegs indisch, sondern im wahrsten Sinne des Wortes spanisch vorkommen.
So geht es munter, beziehungsweise sehr konzentriert weiter: Das wunderbare, ursprünglich für eine mexikanische Theaterinszenierung geschriebene "Misión Dolores II" erweist sich als gelungenes Beispiel für die Gefühlstiefe des skandinavischen Jazz, "Rumba Digital" führt mithilfe eines präparierten Klaviers den Reiz des Analogen vor, "Otto corre" ist ganz offensichtlich eine Verbeugung vor dem berühmten italienischen Pianisten Thelonious Monk. Die Gäule gehen Jarry Singla und seinen drei aufmerksamen Mitstreitern (Julian Argüelles an Tenor- und Sopransaxofon, Peter Kahlenborn an Drums und Percussion, Christian Ramond am Kontrabass) allerdings nie durch. Und so wirkt "Daji Tulaji" lustigerweise viel ernster und seriöser, als die ausgerechnet mit einem einminütigen "Interlude" endende CD in Wirklichkeit ist.

Josef Engels, 29.05.2009



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