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John Dowland, Henry Purcell, Thomas Campion, Alessandro Scarlatti u.a.

Porträt einer Stimme

Alfred Deller

harmonia mundi HMD 9909018
(140 Min., 1967-1979) 2 DVDs, CD + DVD

Alfred Deller darf mit vollem Recht als Pionier gelten – als Pionier einer Sache freilich, die es die längste Zeit der europäischen (und teils auch der außereuropäischen) Musikgeschichte bereits gegeben hat: Der Männergesang in Frauenstimmlage ist in Europa erst am Ende des 18. Jahrhunderts ausgestorben. Alfred Deller griff diese Tradition wieder auf, allerdings nicht aufgrund eines Ideals, das er sich auf theoretischer Basis angeeignet hätte. Vielmehr hat er, der als Knabe und noch über seinen Stimmbruch hinaus auf hohem Niveau Sopran gesungen hatte, diese Lage einfach deshalb nicht aufgegeben, weil er keine Veranlassung dazu sah. Dem Rat des Chorleiters, doch einmal zu pausieren, auf dass seine Stimme sich "erholen" und senken möge, hat er nur wenige Wochen Folge geleistet. Dann fuhr er einfach fort, Alt zu singen – was daraus wurde, ist europäische Musikgeschichte: Alfred Deller war wohl der erste klassische Countertenor des 20. Jahrhunderts, und er wurde zum Wegbereiter all derer, die sich dieses Fach nach ihm erarbeitet haben. Nicht nur in musikalischer Hinsicht galt es ja, den hohen Männergesang zu etablieren. Darüber hinaus musste die Akzeptanz beim Publikum erwirkt werden.
Niemand weiß, wie vielen primitiven, sexistisch motivierten Angriffen Alfred Deller im Laufe seiner Karriere ausgesetzt gewesen sein mag. Davon ist im vorliegenden Filmporträt von 1976 nicht oder allenfalls nur zwischen den Zeilen die Rede. Deller kommt in Interviews, Proben- und Konzertmitschnitten als Mensch und als Musiker – u. a. auch als Leiter des Deller Consorts – umfassend zur Geltung. Ferner stellt ihn eine beiliegende CD als charismatischen, in Timbre und Interpretationshaltung einzigartigen Solisten vor. Insgesamt ein würdiges Porträtpaket im 30. Todesjahr.

Michael Wersin, 29.05.2009



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