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Brian Eno

Music For Airports

Bang On A Can All-Stars

medici arts/Naxos 3077558
(107 Min., 1999) 1 DVD

"Wenn ein amerikanischer Komponist von heute besser über Klassik als über Pop Bescheid weiß, muss etwas schief gelaufen sein." Für die Hardliner der Neuen "Ernsten" Musik ist so ein Satz selbstverständlich die schiere Provokation. Für David Lang sind es jedoch genau diese Trennlinien zwischen U und E, die für einen längst überholten Purismus stehen. Brandneu in der Musikgeschichte ist die geforderte Verschmelzung des nur auf den ersten Blick Unvereinbaren ja nicht gerade. Weshalb es somit eigentlich nur darum geht, wie weit man dabei gehen kann. Bei diesem inzwischen auch schon etwas vergilbten Etikett des "Nearly everything goes!" Um das ausreizen, gründete Lang 1987 mit seinen ehemaligen Studienkollegen Julia Wolfe und Michael Gordon das Composer/Performer-Kollektiv "Bang On A Can" – was übersetzt soviel bedeutet wie "Hau auf den Putz". Nach diesem Imperativ gräbt man seitdem den klassischen Nährboden mit Rock, Jazz und sonstigen Spielarten zwischen Noise und Minimalismus um. Mal mit eigenen, nahezu alle klassischen(!) Gattungen bespielenden Werken. Oder man greift – wie im Fall von Brian Enos "Music for Airports" – zu Klassikern der Pop-Geschichte, um sie per Arrangement durch die neuen Bang On A Can-Kanäle zu schleusen.
Das 1978 eingespielte Album "Music For Airports", das gemeinhin als Geburtsurkunde des meditativen Klangsogs Ambient gilt, hat inzwischen so manche Varianten ausgelöst. Wie die lauen Hintergrundbeschallungen. Die 1999 für ein Septett aus Streichern, Keyboards, Klarinette und E-Gitarre eingerichtete Fassung von "Music for Airports" war daher wohl auch als eine Art Rehabilitation des Originals mit seinen magisch schleichenden Klangantastprozessen gedacht. Und in den Bearbeitungen der vier Teile von u.a. Wolfe und Gordon schärfen die Bang On A Can All-Stars nicht nur wieder das Bewusstsein für diese sich aquarellhaft ausbreitenden Klangflächen. Das ruhige Ein- und Ausatmen erweitert plötzlich den Zeitbegriff in bester Tradition der Minimalisten Morton Feldman und Klaus Lang. Atmosphärisch passen dazu durchaus auch die vier Videotableaus auf der DVD, mit denen der Filmemacher Frank Scheffer das Treiben auf einem Flughafen schemenhaft dokumentierte. Als Extra gibt es das sehenswerte Bang On A Can-Porträt "In The Ocean", bei dem auch prominente Fans wie Steve Reich, Philip Glass und Brian Eno zu Wort kommen.

Guido Fischer, 05.06.2009



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