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Richard Strauss

Sämtliche Lieder Vol. 4

Christopher Maltman, Alastair Miles, Roger Vignoles

Hyperion/Codaex CDA67667
(60 Min., 1/2008) 1 CD

Klavierlieder von Strauss: ein schwieriges Kapitel. Sehr viele sind es, und sie stellen teils recht hohe Anforderungen an Sänger wie auch Pianisten. Will man eine Auswahl bekannterer Nummern haben, wird man schnell fündig: Jonas Kaufmanns Compilation (harmonia mundi) ist durchaus spektakulär, Hermann Preys Rezital mit Wolfgang Sawallisch (Philips; nur noch antiquarisch) ist geradezu unglaublich gut gelungen. Bei den Gesamtaufnahmen hat man bisher die Wahl zwischen Fischer-Dieskaus in Teilen brillanter, oftmals freilich etwas zu wenig von purer Sangesfreude gekennzeichneter Version (EMI) und Andreas Schmidts hervorragend begonnener, aber mehr und mehr vom stimmlichen Verfall geprägter Adaption (RCA; schon vergriffen). Eine weitere ist nun im Entstehen, nach gewohnter Hyperion-Manier mit vielen verschiedenen Sängern. Das hat Vorteile, birgt aber auch Risiken: Gibt es überhaupt so viele gute Strauss-Sänger zur selben Zeit?
Ein Missgriff war, das zeigt die vorliegende Folge vier, mit Sicherheit der einst so vielversprechende Bassist Alastair Miles: "Im Spätboot" z. B. wurde sowohl von Fischer-Dieskau als auch von Schmidt um Lichtjahre besser gesungen, denn Miles liefert rauen, unsauberen Gesang ohne Charme und Flexibilität. Etwas anders liegt der Fall bei Christopher Maltman, der den größeren Teil dieser Folge bestreitet: Sein Bariton hat jugendliche Kraft und ein durchaus ansprechendes Timbre, manchmal allenfalls etwas zu viel Vibrato für den Geschmack des Rezensenten. "Mit deinen blauen Augen" gelingt ihm dennoch nicht annähernd so eindrucksvoll wie einstmals Hermann Prey, und wo das Getümmel größer wird, etwa im gefürchteten "Lied an meinen Sohn", geht es bei ihm doch eher ums Überleben als um sprachliche Prägnanz. Kurzum: Ganz überzeugt uns diese neue Gesamtaufnahme noch nicht.

Michael Wersin, 05.06.2009



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