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Joseph Touchemoulin

Konzerte und Sinfonien

Alexis Kossenko, Daniel Sepec, Les Inventions, Patrick Ayrton

Ramée/Codaex RAM 0807
(69 Min., 4/2007) 1 CD

Da rackert man sich ein Leben lang ab, ist man zur Fortbildung sogar nach Italien gereist, um danach eine hoch dotierte Kapellmeisterstelle zu ergattern. Und wofür? Nur um schließlich auf jenem überfüllten Friedhof unbekannter Komponisten zu landen, wohin sich vielleicht gerade mal ein Student der Musikwissenschaft verirrt – auf der Suche nach einem geeigneten Magisterthema? So wie den Franzosen Joseph Touchemoulin sein Schicksal postum gewurmt haben mag, so wenig hat er es verdient, derart ignoriert zu werden. Denn Touchemoulin (1727-1801) war tatsächlich mehr als nur einer dieser Fleißarbeiter, die den galanten Geschmack des 18. Jahrhunderts mit musikalischen Allerweltsfloskeln überzogen. Touchemoulin überführte vielmehr den frühklassischen Geist in eine gereifte, intensive Klangsprache, die an den mittleren Haydn erinnert.
Dass Touchemoulin, der bei Giuseppe Tartini Violine studierte und Kapellmeister am Hof des Fürsten von Thurn und Taxis in Regensburg war, bislang ein No-Name-Dasein fristen musste, liegt zuallererst an seinem spärlich überlieferten und weit verstreuten Schaffen. Dank des Dirigenten Patrick Ayrton kommt aber nun etwas Licht ins Dunkel. Mit zwei Sinfonien und drei Solokonzerten für jeweils Violine, Cembalo und Traversflöte. Ersteingespielt auf historischen Instrumenten, haben die Musiker mit gezügeltem Feuer, dafür mit direktem frischen Zugriff den Staub weggefegt, um die rhythmische Verve und das Ausdrucksraffinement dieser einnehmenden Musik offenzulegen. Die Musikgeschichte mag zwar bislang auch ohne Touchemoulin gut ausgekommen sein. Mit ihm ist sie jedoch jetzt um eine Persönlichkeit reicher.

Guido Fischer, 05.06.2009



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