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Dmitri Schostakowitsch

Testimony

Tony Palme/Naxos TPDVD145

(151 Min., 1988) 1 DVD

Laut statistischer Erhebungen soll zurzeit ein Viertel aller Erdenbürger mehr oder weniger die Weltsprache Englisch beherrschen. Diejenigen, die ihr Schulenglisch regelmäßig gehegt und gepflegt haben, dürften daher bei dem jetzt im Original veröffentlichten Schostakowitsch-Psychogramm "Testimony" keine Schwierigkeiten haben. Die anderen hingegen werden sich ärgern, dass bei der Überspielung des preisgekrönten Kinofilms auf DVD das Geld noch nicht mal für eine deutsche Untertitelung reichte. Dabei ist der 1988 gedrehte Streifen bereits im Fernsehen in deutscher Übersetzung ausgestrahlt worden. Aber wer nun auch nur die Hälfte verstehen sollte, der wird mehr als gepackt von der enormen Suggestivität, mit der der englische Regisseur Tony Palmer die Leidenszeit Schostakowitschs in der Stalinära inszeniert hat. Entlang der von Solomon Volkow herausgebenden Memoiren des Komponisten zeichnet Palmer in den oftmals kafkaesk wirkenden Bildern das Spannungsfeld zwischen Angst und demütiger Selbstanklage, von Repression und Anpassung nach, in dem sich Schostakowitsch bis zum Tod Stalins befand.
Mit Ben Kingsley in der Rolle des Komponisten ist "Testimony" daher keine strenge Filmbiografie. Vielmehr entwickeln sich in dieser einengend-bedrückenden Schwarz-Weiß-Welt die Macht und die Gewalt zu einem Strudel, in den Schostakowitsch von Beginn an hineingezogen wurde – schon zu seiner Zeit als junger Student beim despotischen Kompositionslehrer Glasunow. Ein geborener Widerstandsheld war Schostakowitsch da genauso wenig wie 1948, als ihn der oberste Kunststalinist Andrej Schdanow bei dem berühmten Schauprozess des Formalismus beschuldigte. Gepaart mit historischen Aufnahmen etwa vom Begräbnis Schostakowitschs, liefert "Testimony" semi-dokumentarisch somit einen tiefen Einblick in das Innerste und in die Überlebensstrategien eines Künstlers, der eigentlich nur eines wollte: komponieren.

Guido Fischer, 03.07.2009



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