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Friedrich Silcher, Ludwig van Beethoven, Franz Schubert, Felix Mendelssohn Bartholdy u.a.

Männerchöre – "Hab oft im Kreise der Lieben"

Die Meistersinger, Klaus Breuninger

Hänssler Classic/Naxos 98.572
(68 Min., 7/1998) 1 CD

"... hab mir ein Liedlein gesungen, und alles war hübsch und gut". Wenn ein angesehener Chor so was in den Siebzigern von sich gegeben hätte, wäre er gleich dem Tingeltangel-Blonden mit der schwarzen Sonnenbrille und dessen "Schwarzbraun ist die Haselnuss" an die Seite gestellt worden. Dass das genuin romantische Männerchorlied der Obrigkeit einmal als politisch gefährlich galt – weil der Aufklärung, dem erwachenden Nationalbewusstsein und demokratischen Bildungsidealen verpflichtet, haben sowohl Stammtisch-Gröler wie linke Kritiker vergessen. Die Zeiten jedenfalls, in denen diese "Volkslieder" bzw. "volksliedhaften", dem "Volkston" nachempfundenen vierstimmigen Kompositionen in den braunen Topf geworfen wurden, sind gottlob vorbei. Das Genre scheint, der Plattenmarkt suggeriert es, geradezu zu boomen. Unter den Einspielungen größerer Ensembles tun sich „Die Meistersinger" hervor, 1998 aus der Männerfraktion der Gächinger Kantorei entstanden. Noch im Gründungsjahr begaben sie sich gewissermaßen auf heimatliches Terrain. Friedrich Silcher, dem in Stuttgart und Tübingen tätigen musikalischen Volkserzieher par excellence, galt ihre größte Aufmerksamkeit. Bei ihm wie auch den einschlägigen Natur-, Männer- und Jägergesängen Webers oder Kreutzers, die jedem die Gleichung "deutsch = romantisch" plausibel machen, vernimmt man einen herzhaft-kernigen, emotionsgeladenen, ganz am Text orientierten Ton, den man, dem Genre angemessen, "volksnah" nennen könnte. So packend vieles geriet, mitunter hätte man sich von der melodieführenden Tenorfraktion etwas weniger Brustschwellung, ergo mehr Zurückhaltung gewünscht. Hier weist, zum Vergleich, die "Camerata Musica Limburg" die exquisitere, noblere, homogenere Klangkultur auf. Ansonsten sind genügend empfindsame, ja fragil-chromatische Töne zu goutieren, beispielsweise in Mendelssohns "Am fernen Horizonte" oder in Schumanns "Die Rose stand im Tau". Und die belegen: Die Schwaben tragen ihren so ganz unschwäbisch-unbescheidenen Titel zu Recht.

Christoph Braun, 24.07.2009



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