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Franz Schubert

Die schöne Müllerin

Matthias Goerne, Christoph Eschenbach

harmonia mundi HMC 901995
(71 Min., 9/2008) 1 CD

Für Matthias Goernes "Schöne Müllerin", die als Teil 3 seiner persönlichen "Schubert Edition" erscheint, kann vorsichtig Entwarnung gegeben werden: Sie ist nicht so ärgerlich daneben gegangen wie der zweite Teil dieser Edition ("An mein Herz"). Freilich muss man auch für die "Müllerin" ein Freund von Goernes speziellem Timbre sein, um die Interpretation genießen zu können. Aber vielleicht hat die Zusammenarbeit mit Altmeister Christoph Eschenbach, der vor Jahrzehnten schon Fischer-Dieskau begleitete, hier dafür gesorgt, dass die Sprache nicht so sehr den stimmtechnischen Spezifika Goernes unterliegt wie bei der oben erwähnten CD. Es ist dem Rezensenten zwar immer noch ein Rätsel, warum mancherorts zu lesen ist, der Umgang mit dem Text sei geradezu Goernes Stärke: Es gibt doch immer noch eine Menge überstrapazierte Nebensilben und unschöne Elisionen ("Das Wandääärnistes Müllers Lust"), die wohl dem Streben nach Legato geschuldet sind. Aber es gibt andererseits auch einige sehr entspannte Passagen, etwa den Beginn des vierten Liedes ("War es also gemeint, mein rauschender Freund"), in denen die Stärken und Vorzüge Goernes deutlich hervortreten: seine prinzipiell schöne Stimmfarbe, die Weichheit und Rundung im Timbre, die Anschmiegsamkeit. Leider ist dies kein durchgängiger Befund: In "Mein" z. B. fragt man sich angesichts der klotzigen Grobheit der vokalen Umsetzung, ob hier nicht eher der polterig-wüste Jäger seinen Sieg besingt und nicht der zarte, sensible, für diese Welt eigentlich viel zu gute Müller, der sich schon bald tief betrübt im Bach ertränken wird. Diese und ähnliche Unrundheiten trüben leider das Gesamtbild einer in Teilen durchaus gelungenen Einspielung.

Michael Wersin, 24.07.2009



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