Responsive image
Ferdinand Ignaz Hinterleithner

Musical Miracles

Trio Liuto Concertato

DHM/Sony Music 88697 44939-2
(77 Min., 6/2008) 1 CD

Der Österreicher Ferdinand Ignaz Hinterleithner (1659-1710) soll zu Lebzeiten ein angesehener Lautenist gewesen sein. Und glaubt man dem spärlichen Faktenfundus über ihn, muss er es bis in die Schlafgemächer von Kaiser Joseph I. und Gattin Wilhelmine geschafft haben, um mit seiner Musik "die gar begierige Liebe etwas aufzuhalten und zu temperieren". So steht es zumindest im Vorwort zu seinen Lautensuiten, die 1699 veröffentlicht wurden und die Lautenist Lutz Kirchhof mit seinem Trio Liuto Concertato in einer Weltersteinspielung vorgelegt hat. Die nach französischem Muster als Tanzsuiten angelegten Werke, bei der die Lautenstimme mit zwei Melodieinstrumenten verknüpft wurde, sind von Ferne betrachtet klassisch elegant. Aus der Nähe aber fehlt ihnen doch das harmonische Raffinement der Franzosen oder eines Silvius Leopold Weiss.
Wenigstens bei der oftmals volksmusikalisch eingestreuten Leichtfüßigkeit nehmen die Minikonzerte schon mal Fahrt auf, fühlt man sich bei machen Effekten in den Gamben wahlweise auf einem Gauklermarkt oder in einem alten englischen Pub. Der von Lutz Kirchhof im Booklettext versprochene Jazzgroove, der den Suiten innewohnen soll, bleibt hingegen graue Theorie. Überhaupt ist man von Kirchhof Funkensprühenderes gewohnt – man musiziert hier etwas unter dem eigenen Niveau. Immerhin lässt einen das CD-Cover, bei dem man die authentische Aufführungspraxis auch optisch beim Wort genommen hat, schmunzeln. Denn wohl mehr als fraglich ist, ob barocke Malerfürsten bei diesen drei Musikermodellen wirklich den Pinsel geschwungen hätten.

Guido Fischer, 31.07.2009



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Werk und Biografie: Immer wieder führt dieses Spannungsfeld zu Einsichten in Komponistenleben, die Rätsel aufgeben oder einen zumindest staunen machen. Nikolai Mjaskowski zum Beispiel kam aus einer russischen Offiziersfamilie, ging auf die Kadettenschule, später auf die Petersburger Akademie für militärisches Ingenieurwesen und wurde anschließend, wie sein Vater, Offizier. Daneben aber komponierte er, und dieses Oeuvre hat mit Drill und militärischer Strenge so gar nichts zu tun. […] mehr »


Top