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Gioachino Rossini, Giuseppe Verdi, Jules Massenet u.a.

Julia Varady – Le passage du flambeau

Julia Varady

medici arts/Naxos 3077958
(2008) 1 DVD, 166

Der rührige Musiker und Musikjournalist Bruno Monsaingeon porträtierte im Jahr 2008 die Sopranistin Julia Varady – nicht mehr als aktive Sängerin allerdings, sondern als Gesangslehrerin. Varady, deren großartige Karriere leider nur marginal auf Tonträgern dokumentiert ist, verabschiedete sich 2003 von der Bühne, zum großen Bedauern ihrer Fans, denn ihre Stimme funktionierte bis zuletzt tadellos. Von der Schlussphase ihrer öffentlichen Wirksamkeit zeugen auf dieser DVD leider nur zwei kurze Ausschnitte eines Konzerts, aufgezeichnet in der Deutschen Oper Berlin. Sie dokumentieren eine in allen Lagen perfekt ansprechende, ebenso voluminöse wie runde Stimme. Immer nur phrasenweise, dafür aber sehr ausführlich bekommen wir dieses einzigartige Material auch in den Meisterklassen-Mitschnitten zu hören: Selbst mit 67 Jahren verfügt Julia Varady noch über die volle Pracht ihrer stimmlichen Mittel. Ihre Botschaft an ihre begabten, jungen Schülerinnen ist geradlinig und einfach, wenngleich gar nicht leicht umzusetzen: Nur wenn die Stimme vollkommen im Körper verankert ist, nur wenn der volle, warme Klang des Körpers stets dem Ton einen Mantel gibt, überträgt sich das Ausdruckswollen des Sängers mit voller emotionaler Kraft auf den Zuhörer. Mit ihrer grandiosen tiefen Lage, die als satter Brustregister-Klang ihre ganze umfangreiche Skala unterfüttert, hat Julia Varady keine Mühe, diese Idee immer und immer wieder am praktischen Beispiel zu demonstrieren. Dass es sich dabei aber um eine Fähigkeit handelt, die langsam wachsen muss und ein hohes Maß an körperlicher wie seelischer Reife voraussetzt, belegen die ansehnlichen, aber fast immer hinter dem großen Vorbild zurückbleibenden Leistungen der um adäquate Umsetzung bemühten Schülerinnen. Julia Varady ist eines der großen Ausnahmetalente am Gesangshorizont des vergangenen 20. Jahrhunderts. Ihre vokale Kunst geht unmittelbar zu Herzen, und es ist ein großes Erlebnis, ihr in diesem Filmporträt noch einmal so nahe zu sein.

Michael Wersin, 31.07.2009



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