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Johann Sebastian Bach

Wiederentdeckte Bläserkonzerte

Kammerakademie Potsdam, Sergio Azzolini

Sony Classical 88697 48397-2
(53 Min., 11/2008) 1 CD

Johann Sebastian Bachs kompositorisches Werk: eine große Baustelle. Nicht nur er selbst griff permanent auf Älteres zurück, um es in bearbeiteter Gestalt in neuen Zusammenhängen wiederauferstehen zu lassen. Auch die Bachforschung arbeitet seit langer Zeit daran, verlorene Urfassungen zu rekonstruieren und die oft verschlungenen Pfade des Parodierens zurückzuverfolgen. Nicht selten beteiligen sich auch ambitionierte Musiker an solcher Detektivarbeit. Im vorliegenden Fall ist es der Fagottist und Ensembleleiter Sergio Azzolini, der sich einiger Concerti aus Bachs Feder und ihrer komplizierten Genese gewidmet hat. Das Cembalokonzert f-Moll BWV 1056, für das die Forschung gemeinhin ein verschollenes Violinkonzert als Vorlage vermutet, hält Azzolini für ein umgearbeitetes Oboenkonzert. Für das Cembalokonzert BWV 1053, als dessen Vorlage allgemein ein Concerto für Oboe d’amore gilt (und auch schon mehrfach eingespielt wurde), nimmt Azzolini ein Fagottkonzert als Quelle an – dies ist vielleicht der eigenwilligste Teil dieses Programms, scheint doch das Fagott als Soloinstrument (ganz anders als bei Vivaldi) bei Bach insgesamt keine große Rolle als Soloinstrument zu spielen. Aus verschiedenen Kantatensätzen zimmert Azzolini außerdem ein sehr klangschönes Tripelkonzert für zwei Oboen, Fagott und Streicher. Außerdem nimmt er den rätselhaften kurzen Instrumentalsatz BWV 1040 ins Programm, den man ansonsten als Nachspiel der Arie "Mein gläubiges Herze" (aus BWV 68) kennt. Ein kompetent musiziertes, äußerst reizvolles Programm, das die Fantasie eines jeden Bachliebhabers anregen dürfte – auch wenn die Bearbeitungen größtenteils auf Spekulationen beruhen.

Michael Wersin, 31.07.2009



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