Whiteout

In The Country


Rune Grammofon/Cargo 00038840
(73 Min.) 1 CD

Blackout, ja, das kennt man, wenn auch hoffentlich nicht zu häufig aus eigener Erfahrung. Aber was bitteschön soll ein "Whiteout" sein? Wenn man das dritte Album des norwegischen Trios In The Country hört, bekommt man eine gewisse Ahnung. Es muss sich dabei um einen Zustand handeln, der das Gegenteil von Ohnmacht und Bewusstlosigkeit ist – man spitzt immer wieder die Ohren und vernimmt Bemerkenswertes.
Etwa dieses von Morten Qvenild gespielte Klavier, das im minimalistisch-getragenen Auftakt "From the Shore" dank seltsam klingender Obertonverzerrungen von einer Aureole umgeben zu sein scheint. Oder dieses Schlagzeug, das Pål Hausken nie exakt so bedient, wie man es erwartet. Im immer euphorischer und dichter werdenden "Kungen" verzichtet er beispielsweise darauf, sich mit einem mächtigen Groove in den Vordergrund zu drängen, sondern macht Sachen, die sich so anhören wie ein Vogel, der in einem Gebüsch nach Beeren sucht.
Auf "Whiteout", das entscheidend unaufdringlich vom Gast-Gitarristen und –Vibrafonisten Andreas Mjøs geprägt wird, finden sich ständig solche gleichermaßen überraschenden wie subtilen Wendungen. "Doves Dance" etwa fängt mit Roger Arntzens vor sich hintrottendem Wechselbass an wie ein eigenwilliges Countrystück, entpuppt sich aber im weiteren Verlauf als eine Hommage an Keith Jarrett. Bei "W.A.R.M" glaubt man gegen Ende, die Beatles ganz weit weg, möglicherweise in einem Atomschutzbunker "All You Need Is Love" summen zu hören. Und dass Bandleader Qvenild in dem irgendwie nach frühen Genesis (allerdings unter Sedativa) klingenden "Mother" den Mut aufbringt, zu singen – das hätte man auch nicht erwartet. Letzteres mag Geschmackssache sein. Beim Rest besteht allerdings kein Zweifel: "Whiteout" ist ein weiterer Meilenstein des norwegischen Jazz.

Josef Engels, 21.08.2009


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