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Franz Schubert

Schwanengesang u.a.

Dietrich Henschel, Fritz Schwinghammer

Ambroisie/Indigo 930022
(76 Min., 8/2007) 1 CD

Dietrich Henschel wird zu Recht gefeiert als Wagnerbariton: Das ist heldisches Material, auch in Artikulation und Emphase, das ist Wotan, Wolfram oder Amfortas, jeweils dunkel timbriert. Bei Schubert aber stößt diese Sangeshaltung an ihre Grenzen, und es sind innere, nicht äußere. Sehr gut passt der Furor noch zum Eingangslied der Aufnahme, einer Vertonung des Goethe'schen "Prometheus". Wie da der Titan und Kulturbringer dem Gottvater Zeus und der ganzen Göttermischpoke die Verachtung zeigt, wie er höhnt und grimmt: Das ist mit harter Kante getroffen, das reißt mit. Aber schon beim sanften Ganymed, dem "Schönsten aller Sterblichen", den Zeus als Liebesgespielen in den Olymp holte, versagt die heldische Haltung. Sie ist überartikuliert und streng, hat oftmals zu viel Druck – und nähert sich so mitunter der Parodie ihrer selbst.
Dabei wird absolut klar, dass Henschel ein intelligent formender Sänger ist, "Freiwilliges Versinken" etwa zeigt das. Die Mittel sind nur immer eine Spur zu groß. Auch Henschels Booklettext, worin er die Verlegertat verteidigt, letzte Lieder Schuberts zum Zyklus zu flechten, ist schlüssig nachzuvollziehen. Und tatsächlich ist es dann auch intelligentes Gestalten, was im weiteren Verlauf die theatralische "Größer-als-das-Leben"-Haltung nicht nur erträglich, sondern sogar genießbar macht. Großen Anteil daran hat übrigens der Begleiter Fritz Schwinghammer, verantwortlich für jene typisch Schubert'sche Atmosphäre des "lebendigen Hintergrunds". Sicher ist die Aufnahme gewöhnungsbedürftig (man höre nur die geradezu komische Überartikulation in "Elysium"!), aber im Ganzen siegen doch Intelligenz und wunderbare Klaviergrundierung.

Thomas Rübenacker, 21.08.2009



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