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Emergence

Roy Hargrove Big Band

Emarcy/Universal 2707924
(70 Min.) 1 CD

Antizyklisches Verhalten soll ja oft überraschende Wirkungen zeitigen. Aber ob Roy Hargroves ausgerechnet zu herbsten Wirtschaftskrisenzeiten an die Plattenbörse gebrachte Großformation nun zu einem lukrativen Big-Band-Revival führen wird – das wagen wir nicht zu prognostizieren.
Aber wenn wir Hargrove richtig verstehen, erfüllt das Debüt-Album seines schon lose seit Anfang der Neunziger bestehenden Ensembles auch eher den Zweck, der unerfahrenen Jugend die Finessen des Satzspiels in einem Jazzorchester zu lehren. Was dem Trompeter und Flügelhornisten natürlich auch meisterhaft gelingt. Mustergültig führt "Emergence" durch die Big-Band-Historie. Während "Ms. Garvey, Ms. Garvey" an den Kansas-City-Shuffle von Count Basie, "Verlera" an Gil Evans' matt schimmernde Arrangierkunst und "Mambo for Roy" an Dizzy Gillespies afrokubanische Großtaten erinnern, entführt das lange "Requiem" den Hörer in das Reich von Sun Ra.
Es gibt auch ein wunderbares Beispiel für das Zusammenwirken von Gesang und dem hellwachen Spiel des 19-köpfigen Ensembles. Roberta Gambarini interpretiert "Everytime We Say Goodbye" auf die erdenklich kongenialste, weil jede Silbe wie einen forteilenden Geliebten festhaltende Weise. Und ja: Noch mögen die Bandmitglieder einem namentlich nicht viel sagen, aber angesichts der solistischen Leistungen etwa von Altsaxofon und Posaune in "Requiem", die sich hinter den wie gehabt formvollendeten Alleingängen des Bandleaders nicht zu verstecken brauchen, sollte sich das bald ändern.
Schade nur, dass Hargrove auf "Emergence" zu selten versucht, das Big-Band-Genre zu modernisieren – dass er das kann, beweist das veritabel in Hip-Hop-Manier pulsierende "Roy Allen". Allein schon deshalb wollen wir dem antizyklischen Unterfangen die Daumen für eine Fortsetzung drücken.

Josef Engels, 28.08.2009



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