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Johannes Brahms

Klaviersonaten Nr. 1 u. 2, Scherzo op. 4

Andreas Boyde

Oehms Classics OC 584
(68 Min., 7/2005) 1 CD

Trotz seines vergleichsweise geringen Umfangs haben sich bis heute erstaunlich wenige Pianisten an eine Gesamtaufnahme des Brahms’schen Klavierwerks herangetraut. Im Grunde ist die klassische Einspielung von Julius Katchen aus den 60er Jahren mit ihrer Mischung von Brillanz und Überschwang bis heute konkurrenzlos geblieben – es besteht also auf dem CD-Markt durchaus noch genug interpretatorischer Freiraum für eine neue Gesamtschau. Der in London lebende Malcolm Frager-Schüler Andreas Boyde, der sein Zyklusprojekt chronologisch mit der Einspielung der ersten beiden Sonaten startet, geht seinen Brahms mit emotionalem Understatement und neutralem Flügelklang an: Vortragsbezeichnungen wie "dolce" oder "sospirando" werden maßvoll berücksichtigt, bieten aber nie Anlass zu träumerischen Exaltationen oder romantischem Überschwang. Der junge Brahms nicht als Stürmer und Dränger, sondern als kühles Nordlicht. Das ist nicht schlimm, aber auch nicht besonders aufregend: Das von Boyde etwas klotzig in den Raum gestellte fanfarenartige Hauptthema des ersten Satzes der C-Dur-Sonate beispielsweise bräuchte doch mehr Enthusiasmus, um dem Geschehen eine Stoßrichtung zu verleihen. Die Leggieroschlenker im Scherzo dagegen spielt er so staubtrocken, dass jeglicher Biergartencharme wegbröselt, die Sostenutoeinleitung zum Finale der fis-Moll-Sonate bleibt zu lapidar, um Spannung zu erzeugen.

Jörg Königsdorf, 09.03.2007



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