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Antonio Vivaldi, Jean-Féry Rebel

4 Seasons, 4 Elements

Midori Seiler, Juan Kruz Diaz de Garaio Esnaola, Akademie für Alte Musik Berlin

harmonia mundi HMD 9909026
(78 Min., 11/2008) 1 DVD

Mit der szenischen Produktion der "Vier Jahreszeiten" wagte die Berliner Akademie für Alte Musik im Januar 2007 den Schritt ins Unbekannte. Das Ensemble sollte in der Choreografie des Sasha-Waltz-Tänzers (und Countertenors) Juan Kruz Diaz de Garaio Esnaola Vivaldis Musik nicht nur spielen, sondern die Naturschilderungen des saisonalen Zirkels auch darstellen: mal als Bäume mit reifen Äpfeln auf den Köpfen, dann wieder als Jägermeute, die mit ihren Bögen das waidwunde Wild – sprich den Solisten – zu Tode hetzt. Dass die Produktion schnell Kultstatus erlangte (und inzwischen europaweit gezeigt worden ist), lag nicht nur an Esnaolas poetischen, oft mit einfachsten Mitteln umgesetzten Ideen, sondern auch an der Solistin Midori Seiler. Die Konzertmeisterin der Akademie ist ebenso schön wie mutig und lässt sich beim Geigen tragen, verhüllen und in der Luft umherwirbeln. Erstaunlich vor allem, wie wenig die musikalische Qualität unter der Aktion leidet: Die Berliner spielen im Gegenteil Vivaldis Megahit mit so unverkrampfter, suggestiver Phrasierung, dass musikalische und szenische Aussage fast bruchlos verschmelzen. Die Frische der Aufführungen im Berliner Radialsystem ist auf DVD recht gut erhalten geblieben, auch wenn hübsche Details wie die grünenden Blätter an den Geigenbögen zu prominent in Szene gesetzt werden. Weniger gut ist das Abfilmen der ersten Hälfte des Programms bekommen: Die Ballettsuite "Les Eléments" des französischen Barockkomponisten Jean-Féry Rebel, die sich Esnaola als Tanzsolo choreografiert hatte, bezog einen Großteil ihrer Wirkung durch die Spannung zwischen Tänzer und Raum, die in den Nahaufnahmen weitgehend verloren geht. Schade, denn die Akademie zeigt, dass sie französisch genauso gut kann wie Bach und Vivaldi.

Jörg Königsdorf, 02.09.2009



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