Viel frisch interpretierten Händel gibt es im Händeljahr zu hören, und einige weniger vertraute Facetten im Werk des Meisters kamen im Zuge der zahlreichen Neueinspielungen schon zum Vorschein, sodass das Hören bisher selten langweilig wurde. Die Liveaufnahme des eigentlich durchaus großartigen Alterswerks "Jephta" aus der Dresdner Frauenkirche jedoch kann den Rezensenten nicht überzeugen: Unidiomatisches Englisch im Chor und bei einigen der Solisten, fehlender Drive in Rezitativen und auch in vielen der Arien (wie werden doch in der Hamor-Arie die Anfangsworte "Dull delay" unfreiwillig zur Wahrheit!), eine teils blässliche Gesangssolisten-Besetzung: Gotthold Schwarz, sonst hoch geschätzt, ist einfach kein Händelbass, Patrick von Goethem (Hamor) versteht seine Kantilenen nicht zum Leben zu erwecken, Britta Schwarz (Storgè) hat in der tiefen Lage, die ihre Partie ihr abfordert, wenig mitreißende Farben zur Verfügung. Einzig Markus Schäfer in der Titelpartie lässt hier und da aufhorchen. Das ist zu wenig, im Händeljahr und auch sonst. Der fundierte Beihefttext von Händelspezialistin Dorothea Schröder, der den neuesten Stand der Händelforschung bietet, kann diese Mängel freilich auch nicht ausgleichen.

Michael Wersin, 11.09.2009



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