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Johann Sebastian Bach

Motetten und Sinfonien

RIAS Kammerchor, Akademie für Alte Musik Berlin, Hans-Christoph Rademann

medici arts/Naxos 2057408
(93 Min., 10/2008) 1 DVD

Im Zuge der Feierlichkeiten zu seinem 60-jährigen Bestehen präsentierte der RIAS Kammerchor Anfang Oktober 2008 in der Berliner Gethsemanekirche ein Bachprogramm. Mit von der Partie waren Streicher und Bläser der Akademie für Alte Musik Berlin, es erklangen Motetten und instrumentale Kantaten-Sinfonien. Die Leitung hatte Hans-Christoph Rademann, der seit 2007 Chef des RIAS Kammerchores ist und umfangreiche Erfahrung mit Alter Musik vorweisen kann.
Es besticht einmal mehr der jugendlich-schlanke, sehr homogene Klang der RIAS-Choristen: Für einen Rundfunkchor mit den bekannten Problemen (Verpflichtung der Sänger bis zum Rentenalter) hat es dieses Ensemble zu einer wirklich außergewöhnlichen Qualität gebracht, die mit derjenigen von besetzungstechnisch höchst variablen, semiprofessionellen Chören ohne Weiteres verglichen werden kann. Und so erwartet den Hörer dieser DVD insgesamt ein sehr edles Klangerlebnis, obwohl die Besetzungsstärke mit knapp 40 Sängern für diese Musik relativ groß ist. Was hingegen verwundert, ist, dass Hans-Christoph Rademann vor diesem so disziplinierten und aufmerksamen Chor immer wieder der Gefahr des "overacting" erliegt: Über weite Strecke dirigiert er mit Nachdruck deutlich voraus, als müsse er die Sänger antreiben. Oft kommt er dadurch mit seinem Schlag nicht hundertprozentig auf den Punkt, was unter anderem zu einer leichten Unruhe im Tempo führt. Auch gibt er sich nicht nur mit den Armen, sondern auch im gesamten Oberkörper allzu beweglich: Brauchen Profis soviel Aktion, um eine engagiert in sich stimmige Interpretationsleistung zu erbringen? Auch bei den instrumentalen Stücken der Akademie für Alte Musik Berlin – ein Ensemble, das oft ganz ohne Dirigenten spielt – hat man bisweilen das Gefühl, dass Rademanns Dirigat eher Unklarheit bringt. Das alles ist freilich Gejammer auf hohem Niveau – aber dennoch stellt sich die Frage, warum es gerade auf diesem Niveau manchmal zu einem merkwürdigen Ziehen und Schieben kommen muss.

Michael Wersin, 11.09.2009



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