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Diverse

Von ewiger Liebe

Anja Harteros, Wolfram Rieger

Berlin Classics/Edel 0016512BC
(65 Min., 12/2008) 1 CD

Liedgesang ist eine Sache von Unmittelbarkeit: Für jeden einzelnen Zuhörer will der Sänger singen, jeden spricht er direkt an, jedem will er ganz persönlich das mitteilen, was er mit seinem Lied zu sagen hat. Solche Intimität ist nicht leicht zu erreichen, sie zählt zu den Aspekten, die den Liedgesang so anspruchsvoll machen. Viel weniger als auf der Opernbühne kann der Interpret in eine Rolle schlüpfen, viel stärker muss er zumindest den Eindruck erwecken können, selbst ein vollkommen in der zu berichtenden Sache aufgehender, zutiefst ehrlicher Erzähler zu sein.
Ein hohes Maß an Natürlichkeit im singenden Vermitteln – oder zumindest die Illusion einer solchen – ist vor diesem Hintergrund eine Grundbedingung. Anja Harteros hat genau damit gewisse Probleme: Ihr auf den ersten Blick recht buntes Liederprogramm ist laut eigener Aussage (im Beiheft-Interview) ein sehr persönliches, aber zwischen ihr und dem Hörer stehen immer wieder Distanz schaffend artifizielle Elemente ihrer Gesangstechnik: Häufig verbaut ein allzu üppiges, schnelles Vibrato den direkten Weg in die Seele des Hörers, dann wieder sind es überschattete Vokale oder überhaupt ein recht gaumiger Stimmsitz. Die Sprache kommt allzu oft nicht zu ihrem Recht, und das entfremdet im Liedgesang prinzipiell schon einmal den Hörer vom Interpreten. Wir hören auf dieser CD immer wieder schöne Kantilenen, wir erhaschen streckenweise den einen oder anderen Satz, aber wir wissen oft nicht wirklich genau, warum Frau Harteros nun dieses oder jenes Lied für uns singen möchte, obwohl wir ihr die Notwendigkeit ihrer Liedauswahl ohne Weiteres glauben möchten. Aber es steht etwas zwischen der Sängerin und dem Hörer, und das könnte womöglich eine noch nicht allzu umfassende Erfahrung und Auseinandersetzung mit dem Medium Kunstlied sein.

Michael Wersin, 25.09.2009



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