Vom Sport weiß man, dass eine Weltauswahl selten Trophäen und Pokale abräumt. Und wie im Fußball zählt auch in der Musik manchmal bei einer bunt zusammengewürfelten Künstlerprominenz mehr der Eventcharakter als das reine Ergebnis. Als 1992 in der Wiener Staatsoper nun Tschaikowskis "Pique Dame" auf dem Spielplan stand, ließ sich die Intendanz nicht lumpen. Vom Papier her war es rückblickend schlichtweg eine dieser One-Million-Dollar-Besetzungen. Angefangen von Mirella Freni als Lisa über die damals noch als Talent gehandelte Vesselina Kasarova bis zu den russischen Stimmdramatikern Vladimir Atlantov und Sergei Leiferkus. Und am Pult: Seiji Ozawa. Opernherz, was willst du mehr. Regisseur Kurt Horres ließ sich aber wohl in Erwartung dieses Allstar-Ensembles derart beeindrucken, dass ihm nichts anderes einfiel, als eine dieser ewiggleichen, trostlosen Tschechow-Welten im naturalistischen Idealmaß auf die Bühne zu stellen. Und ob es zudem eine gute Idee war, der greisen Martha Mödl die Rolle der Gräfin anzuvertrauen, muss doch bezweifelt werden. Kein noch so legendärer Ruf kann das Gekrächze und das Rumstochern im Russischen da kompensieren (im Booklet werden Pressezitate von einst angeführt, die das tatsächlich als "archaische Größe" lobpreisen).
Soweit ist diese "Pique Dame" eher eine Enttäuschung. Und auch Mirella Freni hatte schon mal bessere Zeiten, klingt ihre Stimme doch in der Mitte schon leicht gaumig. Mit der Kasarova beginnt hingegen, das vielversprechende Team zu trumpfen. Wie sie im zweiten Bild mit ihrem tiefsatten Melos die Lamentoso-Kantabilität mit aller Leidenschaft organisiert (was keinen Widerspruch darstellt!), ist imponierend. Sergei Leiferkus besitzt den nötigen baritonalen Schmelz. Und Vladimir Atlantov bietet als Hermann alle Kräfte mit Leichtigkeit und gestalterischer Intelligenz auf, um das Manische einzufangen, das langsam an ihm hochkriecht. Aus dem Orchestergraben sorgt Seiji Ozawa derweil dafür, dass die bedrückenden Klangtemperaturen immer mehr an atmosphärischer Intensität zunehmen.

Guido Fischer, 25.09.2009



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