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Close Up

Rolf Kühn, Tri-O

Jazzwerkstatt/Records Vertriebsges. JW 089
(57 Min., 4/2009) 1 CD

Aus verschiedenen Gründen kann man das Stück "Lifeline" als geheimes Zentrum dieser Aufnahme bezeichnen. Zum einen bündelt sich in dieser Komposition die Spielphilosophie von Rolf Kühn, seinem Trio und seinem Trompetengast Matthias Schriefl wie in einem Brennglas – es geht um Freiheit, Traditionsbewusstsein, Spielwitz, das Zupacken und das Loslassenkönnen.
Zum anderen umschreibt das von Kühn verfasste Stück in der Tat die beeindruckende Lebenslinie des Klarinettisten, der – man glaubt es kaum, wenn man ihn auf "Close Up" hört – gerade 80 Jahre alt geworden ist. "Lifeline" verneigt sich vor dem Swing, dem Bebop und dem Free Jazz und vollführt damit ähnlich elegante stilistische Sprünge wie Kühn, der als einer der ersten deutschen Jazzmusiker nach dem Krieg in die Staaten gegangen war und dort Erfolge feiern konnte.
Es ist faszinierend zu hören, wie Kühn seine reichen Erfahrungen als Benny-Goodman-Schützling und sensibler Jazz-Oktoberrevolutionär nun gewissermaßen mit der Enkelgeneration teilt (der Schlagzeuger Christian Lillinger ist gerade mal 25, Gitarrist Ronny Graupe 30 Jahre alt, Bassist Johannes Fink könnte mit seinen 45 Lenzen immerhin der Sohn sein). "Close Up" lebt vom reizvollen Kontrast zwischen klaren Groove-Absprachen und der lustvollen Pulverisierung derselben. Das geschieht aber nie gewaltsam, sondern fast immer so vorsichtig tastend, fragend, aber gleichzeitig auch souverän wie Kühns klar konturiertes, warmes Klarinettenspiel.
Kühn, so schreibt Bert Noglik in den Liner Notes, sei einer, "der nicht als Klassiker auf den Sockel steigt, der ihm zustehen würde, sondern mitmischt, mit brennender Liebe zu dieser Musik". Besser kann man es nicht sagen.

Josef Engels, 02.10.2009



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