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Louis Vierne

Pièces de fantaisie op. 53 und 55

Kay Johannsen

Carus/Note 1 CAR83.251
(76 Min., 5/2008) 1 CD

Das Privatleben hat es mit Louis Vierne nun wirklich nicht gut gemeint. Fast blind geboren erkrankte dieses von César Franck und Charles-Marie Widor geförderte Ausnahmetalent an Typhus und musste nach einem schweren Unfall befürchten, dass er seine Beine nicht mehr bewegen konnte. Sein Bruder sowie die beiden Söhne verstarben allzu früh. Und nachdem auch noch die Ehefrau mit dem Orgelbauer Charles Mutin durchgebrannt war, investierte Vierne sein gesamtes Vermögen in die Renovierung der Cavaillé-Coll-Orgel der Pariser Kathedrale Notre-Dame, bis er zum Schluss vollkommen verarmt war. Dass so einer sich trotz allem nicht künstlerisch aus der Bahn werfen ließ, zeugt von Viernes unerschütterlichem Glauben an die Trost spendende Kraft der Orgel. Berühmt sind natürlich seine im großen Partiturmaßstab konzipierten Orgelsinfonien. In ganz andere Sphären entführen dagegen die insgesamt 24 Pièces de fantaisie, die Vierne 1926/27 zu vier Suiten mit je sechs Werken gebündelt hatte. Es sind allesamt Charakterstücke mit zum Teil programmatischen Titeln, die die menschliche Empfindungswelt in der Natur nachzeichnen.
Wie wundersam bei Vierne das impressionistische Fluidum mit dem hier und da aufblitzenden sakralen Nimbus zusammenpasst, hatte Kay Johannsen bereits mit den beiden Pièces-Heften op. 51 und 54 unter Beweis gestellt. Zumal die Orgel der Dresdner Frauenkirche über eine Leichtigkeit in den mechanischen Darstellungsmöglichkeiten und über eine aus sich heraus leuchtende Dignität im Klang verfügt, die perfekt zu dieser Musiksprache Viernes passen. Auf diesem Niveau bewegt sich nun auch die Einspielung der Suiten II op. 53 und IV op. 55. Und so kann Johannsen den beruhigenden Strom von "Clair de lune" genauso sensibel und konzentriert entfalten, wie er in Viernes Reverenz an die Toccata-Großmeister Frescobaldi und Bach beherzt seine Bahnen zieht.

Guido Fischer, 02.10.2009



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