Im Hause der Königin Partenope herrscht die pure Langeweile. An der edlen Art-déco-Inneneinrichtung hat man sich scheinbar sattgesehen. Und bei Partenopes Männerstaat ist irgendwie auch die Luft raus. In solchen Momenten des wuchernden Ennui ist man froh über jede Abwechslung. Da wird dann ein bisschen Krieg gespielt – am langen Tisch und im "Stein-Schere-Papier"-Duell. Und bevor Partenope weiß, für wen ihr Herz am nächsten Tag schlagen wird, guckt sie sich kurzerhand mal Arsace aus. Am Ende jedoch haben sich die beiden wieder lieb, die eh von Anfang an für einander bestimmt waren: der junge Prinz und seine zwischendurch als Ex-Verlobte abgelegte Rosmira. So weit, so konventionell Händels erste, halbwegs komische Oper "Partenope", die 1730 mit eher mäßigem Erfolg in London uraufgeführt wurde, am Königlichen Opernhaus in Kopenhagen. In einer Inszenierung von Francisco Negrin, der an gleicher Stelle bereits vor vier Jahren Händels "Giulio Cesare" eingerichtet hatte.
Als Zugpferd hatte man dafür erneut Andreas Scholl eingeladen. Aber wie man es auch drehen und wenden möchte – dieser mit einer wundersamen und begnadeten Stimme ausgestattete Countertenor wird wohl nie ein Bühnentier. Warum ihm jeglicher Hang zur Schauspielerei fehlt, zeigt er im Bonusfilm zu dem vielfach überarbeiteten Livemitschnitt von "Partenope". Bei dem von Scholl selbst gedrehten Blick hinter die Kulissen und in die Proben ist er bei seinen Interviews mit dem Ensemble einfach ein sympathisch zurückhaltender Fragesteller ohne Hang zur Besserwisserei. Und da Scholl dieses Selbstdarstellungs-Gen fehlt, blüht er als "Arsace" nur auf, wenn er mit sich und den Arien alleine ist. So sehr die übrigen Hauptpartien gleichermaßen mit versierten Barocksängerinnen besetzt sind, so fehlt dieser "Partenope" unter dem Strich von der Regie wie auch von der musikalischen Leitung her der substanzvolle Drive. Langweilig ist diese "Partenope" zwar nicht. Aber eben auch nicht das Gegenteil.

Guido Fischer, 02.10.2009



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