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Joseph Haas, Egon Kornauth

Streichquartett op. 50, Klavierquintett op. 35 a

Diogenes Quartett, Andreas Kirpal

Cavalli Records CCD 276
(66 Min., 4 u.12/2006) 1 CD

Es scheint mehr und mehr das Privileg kleinerer Labels zu sein, vergessene Musik zu präsentieren: Während die Majors mit Pomp und Trara die x-te Einspielung von Pergolesis Stabat Mater oder Tschaikowskis b-Moll-Klavierkonzert auf den Markt drücken, tragen die kleinen und kleinsten Firmen dazu bei, dass es immer weniger weiße Flecken in den CD-Katalogen gibt, dass auch unter den Namen nur noch vom Hörensagen bekannten Komponisten wenigstens ein paar lieferbare Titel aufgelistet werden können.
Die vorliegende CD ist in diesem Rahmen der Kammermusik von Joseph Haas (1879-1960) und Egon Kornauth (1891-1959) gewidmet. Beide Komponisten verblieben mit ihrem Schaffen in den Grenzen der Tonalität, was ihre Rezeption vor allem in der Nachkriegszeit weitgehend verhindert hat. Heute ändert sich zum Glück die lange sehr starre Meinung darüber, was nach 1920 noch schöpferisch opportun war, und so können wir nun die exquisite Musik wieder genießen: Joseph Haas' gediegenes Streichquartett (1919) mit seinem überaus reizvollen, gelegentlich an Bruckner erinnernden Variationssatz an dritter Stelle und Egon Kornauths im Tonfall etwas raueres und harmonisch etwas gewagteres, höchst leidenschaftliches Klavierquintett aus dem Jahre 1931 mit seinem träumerischen Notturno im Zentrum. Dargeboten wird diese seit Langem ungehörte Musik vom Münchner Diogenes Quartett, dem sich für Kornauth der Pianist Andreas Kirpal beigesellt: Eine erstrangige Interpretation, befeuert von großer Liebe zu den Werken und befruchtet durch ein hohes Maß an individuellem sowie gemeinschaftlichem Können – ein völlig ungetrübter Hörgenuss.

Michael Wersin, 10.10.2009



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