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Franz Schubert

Sinfonie C-Dur DV 944 (in Probe und Konzert)

Karl Böhm, Wiener Symphoniker

medici arts/Naxos 2072198
(120 Min., 5/1962) 1 DVD

Eine persönliche Bemerkung erlaubt sich Karl Böhm nur ganz am Anfang: Bevor er seine Probe mit den Wiener Symphonikern beginnt, erzählt der damals 71-Jährige, dass er vor einer Woche die originale Partitur des Werks in den Händen halten durfte, das an diesem Tag auf den Pulten liegt –
Schuberts Große C-Dur-Sinfonie. Der Rest ist staubtrockenes Organisieren: hier lauter, da leiser, dort schneller, dann langsamer. Kein Wort über den Ausdruck oder gar Sinn der Musik, nur pingelige Ablaufregelung mit minimalistischer Zeichengebung, die von den Musikern widerspruchslos umgesetzt wird. Den Ausdruck sparte sich Böhm offenbar für die Aufführungen auf: In der anschließenden Aufzeichnung des Werks wirkt er viel lockerer, fordert den Musikern mit suggestiven Gesten mehr Espressivo ab. Eine überragende Aufführung gelingt dennoch nicht – aus dem Abstand von fast 50 Jahren wirken Böhms einst hoch geschätzten Schubertinterpretationen (ebenso wie seine Mozartaufnahmen) als Dokumente eines Übergangs zwischen pathetischem Furtwänglerstil und neuer Sachlichkeit: Zwar schlägt Böhm im zweiten Satz ein erfreulich frisches Tempo an – und bleibt auch dabei, aber die (immerhin mäßigen) Ritardandi bei Seitenthemen und der brucknerhaft-poltrige Zugriff in Scherzo und Finale nehmen dem Stück aber einiges an Elan und klassizistischer Klarheit. Ein Dokument kapellmeisterlichen Alltags der Sechzigerjahre.

Jörg Königsdorf, 10.10.2009



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