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Georg Friedrich Händel

Between Heaven and Earth

Sandrine Piau, Accademia Bizantina, Stefano Montanari

naïve/Indigo 939532
(77 Min., 12/2008) 1 CD

Im internationalen Sängerbusiness ist Sandrine Piau ein eindrucksvolles Beispiel für eine umsichtige Karriereplanung: Die Französin hat nie ihre Stimme forciert, sondern beispielsweise fast 20 Jahre lang gewartet, bis sie eine Rolle wie Händels Cleopatra in Angriff nahm. Mit dem Resultat, dass die 44-Jährige die ganze Frische und Beweglichkeit ihres Soprans bewahren konnte, aber an lyrischen Farben, Tiefe und Charakter kontinuierlich hinzugewonnen hat. Diese Qualitäten machen auch ihr Händelalbum zu einem Höhepunkt des Jubiläumsjahres. In keiner der Arien, die Piau aus insgesamt neun Oratorien ausgewählt hat, wirkt ihre Gestaltung aufgesetzt oder divenhaft – statt dessen kündet jedes Stück von einem Gefühl, das in seiner Ehrlichkeit unmittelbar zu Herzen geht. Etwa das "Rejoice Greatly" aus dem "Messiah": Piau hat nicht die trompetenhaften Spitzentöne, mit der andere Sängerinnen aufwarten können, doch in ihren lupenreinen Mezzavoce-Effekten, ihrer Gestaltung der Koloraturen und ihrer erzählenden Diktion vermittelt die Arie tatsächlich das Gefühl einer naiven Freude, die die Berichtende selbst noch gar nicht ganz erfasst hat. Oder Theodoras "With Darkness Deep", in dem Piau genau bemessenes Pathos nur benutzt, um den tragischen Radius zu markieren, aber immer wieder auch eine Spannung zwischen der durch Willenskraft erreichten Stärke und der Verletzlichkeit der Figur schafft. Die Accademia Bizantina unter Stefano Montanari spielt dazu ganz im Sinne der Solistin: virtuos, aber unaffektiert, poetisch und mit schlankem, in den Obligati gut mit dem Sopran ausbalanciertem Ton. Eine großartige Aufnahme.

Jörg Königsdorf, 23.10.2009



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