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Hugo Wolf, Johannes Brahms, Franz Schubert u.a.

Zwischen Leben und Tod

Christoph Prégardien, Michael Gees

Challenge Classics/SunnyMoon CC72324
(85 Min., 11/2008) 2 CDs

Es sind die leiseren Töne, die vielfältig abschattierten Piani und Pianissimi, die zauberhaft geschmeidigen Mezza-voce-Effekte besonders in der höheren Lage, die mehr und mehr zum Markenzeichen Christoph Prégardiens werden. Dass dies im fortgeschrittenen Stadium einer Gesangskarriere – Prégardien wurde 1956 geboren – konstatiert werden kann, ist höchst erfreulich, zeigt es doch, dass der Tenor seine Stimme stets gut gepflegt und seine Gesangstechnik beständig weiter ausgefeilt hat. Von den genannten Qualitäten profitieren eine Menge der hier auf zwei CDs versammelten Gesänge zum Thema "Leben und Tod": Mozarts "Abendempfindung" ebenso wie Brahms' "Feldeinsamkeit", Schuberts "Der Jüngling und der Tod" ebenso wie Mahlers "Ich bin der Welt abhanden gekommen". Bemerkenswert ist ferner die prinzipiell gute Verankerung der Stimme im Körper, die Prégardien am Ende von Schuberts "Der Tod und das Mädchen" ein tiefes D ermöglicht.
Angesichts solcher Qualitäten nimmt man es in Kauf, dass Prégardiens Stimme unter stärkerer Belastung oft ein wenig zu flattern oder zu wackeln beginnt. Das ist keine "Alterserscheinung", sondern war bei ihm tendenziell immer schon mal so. Es ist das vorliegende Programm ohnehin eher ein Programm der leiseren Töne, der durchaus fesselnden Ruhe, konterkariert freilich hier und da durch einige aufwühlendere Nummern wie vor allem Mahlers "Revelge", wo Prégardien bei raschem Grundtempo neben packenden musikalisch-rhetorischen Akzenten übrigens auch einige unkonventionell platzierte Atemzäsuren erprobt.
Prégardien und sein wie immer überaus zuverlässiger, dazu beinahe nachschöpferisch kreativer Begleiter Michael Gees überschreiten in diesem Programm nicht nur Epochen-, sondern auch Gattungsgrenzen: Zwei Operarien aus dem "Freischütz" ("Durch die Wälder ...") und aus "Eugen Onegin" (die Lenski-Arie in deutscher Sprachversion) mischen das Liedprogramm durchaus anregend auf.

Michael Wersin, 30.10.2009



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