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Georg Friedrich Händel

La resurrezione

Camilla Tilling, Kate Royal, Sonia Prina, Toby Spence, Luca Pisaroni, Le Concert d'Astrée, Emmanuelle Haïm

Virgin Classics/EMI 694 5670
(112 Min., 4/2009) 2 CDs

Das haben wir gerne: Wasser predigen und Wein trinken! Wenn sich steinreiche römische Kardinäle die tristen Fastensonntage mit allerlei Vergnügungen, natürlich rein geistig-geistlicher Art, vertreiben, feiert die Bigotterie mal wieder fröhliche Urständ. Auch der gläubige Protestant Händel ließ sich während seiner italienischen Lehrlings- und Reputationstour – verständlicherweise – nicht lumpen, als er Ostern 1708 vom päpstlichen Principe di Cerveteri, dem Marchese Francesco Maria Ruspoli, den Auftrag erhielt, im Palazzo Bonelli ein "Auferstehungs"-Oratorium aufzuführen. Wir Moralischen von heute können nur froh sein über solch flexible Kurien- und Künstlertugenden (die – gottlob – der Kunst Vorrang vor asketischen Glaubensgeboten einräumten). Denn das orchestral wahrhaft üppige "La resurrezione"-Oratorium wartet mit Juwelen auf, die auch der spätere, englische Händel noch mehrfach verwendete, beispielsweise in der Wassermusik. Schon allein der Anfangsarie "Disserratevi, o porte d'Averno" wegen, in der ein Engel vor der Höllenpforte Christi Sieg über den aufständischen Luzifer verkündet – schon hier müssen die römischen Würdenträger verzückt gewesen sein, so rasant und elegant strömen die dialogisierenden Koloraturen von Sopran und Bläsersolisten dahin. Wie wären sie erst begeistert gewesen, wenn sie solchen "Engeln" wie Camilla Tilling und Kate Royal hätten lauschen dürfen, die nun in Emmanuelle Haïms rundum glückvoll besetzter Jubiläumseinspielung brillieren und etliche anrührende Perlen barocker Affektkunst auftischen. Weibliche Soprane!? Ruspoli, Hausherr im Uraufführungs-Palazzo, fing sich damals eine päpstliche Rüge ein – und musste alsbald wieder auf Kastraten zurückgreifen. Sicher pflichteten die vormaligen Würdenträger ihrem gestrengen Oberhirten bei. Nachdem sie am Tag zuvor verzückt den teuflisch gut singenden Frauenzimmern beigewohnt hatten.

Christoph Braun, 04.11.2009



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Dass Händels Vokalkompositionen reich an Koloraturen sind, dürfte hinlänglich bekannt sein. Auch eine in Relation zur eigentlichen Kritik sehr ausführliche Darstellung der Entstehungsgeschichte scheint fehl am Platze, wenn hinsichtlich der Künstler nicht mehr ausgesagt wird, als dass Camilla Tilling und Kate Royal in einer insgesamt sehr gut besetzten Einspielung die Engel trefflich verkörpern. Von einem erfahrenen Kritiker darf mehr erwartet werden.




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