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Two-Shade

Gerald Clayton

Emarcy/Universal 270 7144
(68 Min.) 1 CD

Der Albumauftakt "Boogablues" legt eine falsche Fährte: Wenn man das konventionelle Gute-Laune-Stück hört, denkt man an Oscar Peterson oder Benny Green. Ist Gerald Clayton, der 25-jährige Sohn des Bassisten John Clayton, der biedere Neo-Konservative in der Riege der aktuellen jungen Pianolöwen, die von Jason Moran oder Robert Glasper angeführt werden? Nein. Er liebt es nur, den Hörer zu täuschen. Das gelingt Clayton gemeinsam mit seinem Bassisten Joe Sanders und dem Schlagzeuger Justin Brown auf "Two-Shade" des Öfteren. Sieht man sich bei "Trapped in a Dream" noch einem komplexen Geflecht an Linien gegenüber, das von kühlem intellektuellen Gestaltungswillen kündet, wird man bei "Two Heads One Pillow" mit einem hip-hopeskem Beat, einer kurzen Gesangseinlage und einem Klaviersolo konfrontiert, das so cool und garstig klingt wie ein Problem-Street-Kid.
"Peace for the Moment" beginnt als klassisch inspirierte Ballade im Geiste Brad Mehldaus, verwandelt sich dann aber unerwartet in eine seltsam schleichende Salsa-Nummer, die von Browns ekstatischem Drumsolo gekrönt wird. Und "Casiotone Pothole" erweist sich als von einem fiesen Synthi-Sound getragener Stücksonderling, der sich nicht entscheiden kann, ob er Bach, Gospel oder Dave Brubeck ist. Wie gesagt: Der erste Eindruck, dass es sich bei Clayton um einen braven Traditionalisten handelt, täuscht – auch wenn er mit "All of You" in der Mitte des Albums und dem pianistischen Alleingang "Con Alma" zum Abschluss Wynton Marsalis Zucker gibt. Im Gegenteil: Mit Stücken wie "One Two You" oder "Scrimmage" legt das junge Talent sogar eine gute Portion zu viel Verschrobenheit an den Tag. Man kann Clayton daher vorwerfen, dass sein Debüt oftmals von zu viel Wollen und zu wenig Gefühl geprägt wird. Aber angesichts seiner Jugend darf man ihm das ruhig nachsehen.

Josef Engels, 13.11.2009



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