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Johannes Brahms

Sinfonien und Orchesterwerke

New York Philharmonic, Bruno Walter

United Archives/harmonia mundi UAR0043
(200 Min., 1951, 1953) 3 CDs

Bruno Walter gehört, ähnlich wie Otto Klemperer, zu denjenigen Dirigenten, deren Interpretenpersönlichkeit durch ihre späten Aufnahmen nicht unwesentlich verzerrt wurde: Durch das Aufkommen der Stereofonie war Walter lange Zeit hauptsächlich durch seine im Alter von ungefähr 80 Jahren aufgenommenen Mahler- und Brahmsaufnahmen präsent, in denen seine Vorliebe für gesangliche Phrasierung durch zunehmend langsame Tempi einen leichten Schlag ins Sentimentale bekam. Walters erster Brahmszyklus, Anfang der 50er Jahre mit den damals fabelhaften New Yorker Philharmonikern aufgenommen, ist da eine willkommene Korrektur: Lyrische Innigkeit und die straffe Formgliederung, die für Walters Aufnahmen aus den 30er Jahren (Mahler Nr. 9) kennzeichnend ist, sind hier gut ausbalanciert. Ein Mittelweg zwischen dem Klassizismus Toscaninis und der tragisch aufgeladenen Melancholie Furtwänglers, der vor allem die von ihrem Grundmaterial her liedhafteren Sinfonien Nr. 2 und 3 in wunderschönem Mattgoldschimmer strahlen lässt. Dass Nr. 1 und 4 weniger Atmosphäre entwickeln können, dürfte freilich auch an der Überspielung der bislang nicht auf CD erhältlichen Aufnahmen liegen: Das Klangbild ist zwar sauber, jedoch auch recht flach – mit dem Bandrauschen wurde leider auch ein Gutteil der instrumentalen Präsenz wegretuschiert.

Jörg Königsdorf, 28.07.2007



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