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Virtue

Eldar Djangirov

Sony Music 88697 55866-2
(69 Min., 12/2008) 1 CD

Gegen Ende von "Re-Imagination", der für den Grammy nominierten letzten Platte des kirgisischen Klavier-Wunderburschen Eldar Djangirov, gab es ja schon deutliche Anzeichen für das, was folgen wird. Und Freunde des klassischen Jazz, die in dem in den USA aufgewachsenen Eldar nicht ganz zu unrecht den legitimen Nachfolger von Oscar Peterson sahen, müssen jetzt ganz tapfer sein: Der 22-Jährige hat mit "Virtue" ein fast lupenreines Fusionalbum aufgenommen, das in vielerlei Hinsicht – was die Breaks, die verwirrenden Arrangements und die stupende Virtuosität angeht – in den Spuren von Chick Coreas Elektric Band wandelt.
Allerdings – trotz gewisser Ähnlichkeiten in der Besetzung (neben E-Bassist Armando Gola und Schlagzeuger Ludwig Afonso als ständige Begleiter sind Joshua Redman und Felipe Lamoglia am Saxofon zu hören) – mit gewissen Modifikationen: Der ganz spezielle Latin-Einschlag erinnert oftmals an Michel Camilo (sehr deutlich in "Blues Sketch in Clave"), während der gelegentliche Synthesizer-Einsatz (besonders stark im solistischen Wettstreit mit Trompeter Nicholas Payton im Schluss-Vamp von "Blackjack") unüberhörbar von Pat Methenys Alter Ego Lyle Mays inspiriert ist. Auf den Einsatz eines Gitarristen wie in der Elektric Band wird ganz verzichtet. Dann wäre da natürlich noch Eldars ganz persönliches Spiel, das bei allen Muskelprotzereien in der Linken immer etwas Kultiviertes, ungemein Akkurates hat. Das kann, wie in der Ballade "Iris", zuweilen auch etwas zu parfümiert herüberkommen. Wie dem auch sei: Abgesehen von dem reichlich sämigen Standard-Fremdkörper "Estate" hat Eldar mit "Virtue" das stilistisch bislang geschlossenste Album seiner noch jungen Karriere aufgenommen. Fusionfreunde darf das durchaus freuen.

Josef Engels, 20.11.2009



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