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Gustav Mahler

Sinfonie Nr. 8, Adagio aus der Sinfonie Nr. 10

San Francisco Symphony Orchestra, Michael Tilson Thomas

Avie/Musikwelt AV 0021-2
(111 Min., 4/2006 u. 8/2008) 2 CDs

Mahlers Achte ist die gefährdetste seiner neun Sinfonien: In den meisten Aufnahmen erstarrt die "Sinfonie der Tausend" in dekorativer Festlichkeit, ohne dass der immerhin erstaunliche Umstand plausibel werden würde, warum das Stück durch einen Satz eröffnet wird, der eigentlich ein Finale ist. Allein Kent Nagano bot in seiner vor vier Jahren erschienenen Einspielung bisher eine plausible Lösung, ließ den mittelalterlichen Pfingsthymnus an seiner eigenen Kraftentfaltung förmlich implodieren und so zum Rückblick auf eine untergegangene Epoche werden. Solche Einsichten liegen Michael Tilson Thomas fern – seine Achte ist blitzblank und von einer weltumarmenden, schönheitstrunkenen Emphase beherrscht, die seit Bernstein das amerikanische Mahlerverständnis prägt. Wer das mag, kann allerdings mit Tilson Thomas' Aufnahme der Achten ebenso glücklich werden wie mit seinem ganzen Mahlerzyklus, der in den USA denn auch etliche Grammys abräumte. Denn mit dem Finale dieses Projekts unterstreicht das San Francisco Symphony Orchestra noch einmal, dass es zu den besten der USA gehört: seidenweiche Streicher, strahlendes Blech, kantable Holzbläser – ein sweet sound of love and sentiment, der allerdings auch nicht besonders persönlichkeitsstark ist. In wohligem Seelenschmerz badet auch das Adagio der Zehnten, das sich hier seinem katastrophischen Höhepunkt eher entgegenräkelt – Michael Gielen etwa geht in seiner herberen, strengen Einspielung mit dem SWR-Orchester fünf Minuten eher durchs Ziel. Mahler als Sunnyboy – ob das wirklich so gemeint war?

Jörg Königsdorf, 20.11.2009



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