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The Great Concert

Charlie Mariano, Philip Catherine, Jasper van’t Hof

Enja/Edel 0095322EJM
(64 Min., 5/2008) 1 CD

Ja, die "Tears of Sound", dieser von Charles Mingus auf Charlie Marianos Saxofonspiel gemünzte Ritterschlag, wurden wegen des traurigen Anlasses oft erwähnt. Wohl kein Nachruf auf den im Juni diesen Jahres verstorbenen Mariano dürfte ohne Erwähnung seines Markenzeichens ausgekommen sein. Und jetzt die Überraschung: Von traurigen Tränen aus Klang kann beim Auftakt des "Great Concert", das der Altsaxofonist ein Jahr vor seinem Tod mit den alten Weggefährten Jasper van’t Hof und Philip Catherine in Stuttgart gab, wahrlich nicht die Rede sein. Ungeachtet seiner damals 84 Jahre, ungeachtet seiner Krankheit, präsentiert sich Mariano in der Nummer "Crystal Bells" als aggressiver Blues-Mann, der mit wütender Eleganz Pfeile abschießt, die mitten ins Herz gehen. Das soll sich auch bei der die CD abschließenden Mariano-Komposition "Plum Island" wiederholen.
Vielleicht ist es das Wiedersehen und –hören mit seinen Kumpanen aus lang vergangenen Kammer-Jazzrock-Tagen, die den Altsaxofonisten an diesem speziellen Abend so beflügelte. Es muss ja ohnehin ein Vergnügen sein, mit diesen beiden Musikern, die zum Lachen offensichtlich nicht in den Keller gehen, zusammenzuarbeiten: auf der einen Seite der Gitarrist Catherine, der die entfernten Anklänge an Django Reinhardt gelegentlich mit Verzerrer würzt. Auf der anderen Seite der Pianist van’t Hof, der mit großem Spielwitz mal Begleiter, mal sich selbst sein eigenes Orchester ist. In diesem Trio stützt man sich gegenseitig, neckt sich, feuert sich an. Wenn man die Aufnahme, die zum Vermächtnis des wunderbaren Mariano wurde, hört, drängt sich bei jedem Ton nun die Frage auf: Tod, wo ist dein Stachel?

Josef Engels, 27.11.2009



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